Geldwäsche: Millionen über Postämter
- Der arbeitslose und bankrotte Jigar Gheewala deponierte 2020 über 880.000 Pfund in 200 Bareinzahlungen an Leicesterer Postfilialen – er war als Geldwäscher tätig.
- Ermittlungen der Leicestershire Police wurden durch die extreme Diskrepanz zwischen Gheewalas offizieller Mittellosigkeit und seinem tatsächlichen Lebensstil ausgelöst.
- Laut den vorliegenden Angaben sollen jährlich Hunderte Millionen Pfund Schwarzgeld über britische Postfilialen gewaschen werden; das genaue Ausmaß und die Reaktion der
Jigar Gheewala war offiziell arbeitslos, bezog staatliche Unterstützung und war als zahlungsunfähig erklärt worden. Gleichzeitig lebte er in einem Haus im Wert von 1,3 Millionen Pfund und schickte seine drei Kinder auf Privatschulen. Diese Diskrepanz brachte die Wirtschaftskriminalitätseinheit der Leicestershire Police auf seine Spur – und führte zu einem Fall, der exemplarisch für ein weitaus größeres Problem in Großbritannien stehen soll.
200 Bareinzahlungen in einem Jahr
Im Laufe des Jahres 2020 wurden auf Gheewalas Bankkonto mehr als 880.000 Pfund in bar eingezahlt – aufgeteilt auf 200 einzelne Transaktionen. Der Ort dieser Einzahlungen war nicht eine diskrete Offshore-Bank auf den Cayman Islands, sondern verschiedene Postfilialen in Leicester. "Er war ein erklärter Bankrotteur, dessen Bankkonto absolut nicht dem entsprach, was man erwarten durfte", sagte Laura Panter, Aufseherin für Finanzkriminalität beim wirtschaftlichen Ermittlungsteam der Leicestershire Police. "Das war unser Ausgangspunkt."
Ausmaß des Problems unklar
Gheewala war, wie die Ermittlungen ergaben, ein Geldwäscher – jedoch einer, der auf eine in der Öffentlichkeit kaum beachtete Methode setzte: das systematische Einzahlen von Bargeld über den Postschalter. Dem Bericht zufolge sollen jährlich Hunderte Millionen Pfund Schwarzgeld auf diesem Weg in den legalen Finanzkreislauf eingespeist werden. Ob und in welchem Umfang die britische Polizei diesem Phänomen systematisch nachgeht, ist laut den vorliegenden Informationen ungeklärt – die Frage, warum Ermittlungsbehörden zurückhaltend bei der Aufarbeitung des Problems sein sollen, bleibt offen. Das Problem der nicht verfolgten Finanzkriminalität ist dabei kein rein britisches: Auch in Frankreich bleiben mehr als eine Milliarde Euro an Bußgeldern jährlich unbezahlt, was auf strukturelle Schwächen bei der Durchsetzung von Finanzrecht hindeutet.
Der Fall Gheewala illustriert, wie der alltägliche Postschalter zur Infrastruktur organisierter Geldwäsche werden kann – und stellt die Frage, welche Kontrolllücken im britischen Finanzsystem dies systematisch ermöglichen.
More in Kriminalität und Justiz
→
Kriminalität und Justiz
Elf Justizfälle prägen Spaniens Herbst
Kriminalität und Justiz
Dritte Drohne am Flughafen Leipzig/Halle
Kriminalität und Justiz
Festnahme nach Brandserie in Barcelona
Kriminalität und Justiz
Dritte Drohne und Hexogen in Leipzig
Kriminalität und Justiz
Fahndung nach Sexualangriff in Alpicat
Kriminalität und Justiz
Fentanyl-Prozess: Ex-Beamter aus Sinaloa