Schnee trifft Atacama-Wüste in Chile
- Mehrere Stürme im August 2026 bedeckten große Teile der Atacama-Wüste mit Schnee – NASA-Satelliten dokumentierten die ungewöhnliche Ausdehnung von den Anden bis nahe an die
- Ursache war ein vom Jetstream abgetrenntes Cut-Off-Tief, das laut Atmosphärenforscher René Garreaud im Zusammenhang mit dem sich verstärkenden El-Niño-Ereignis stand.
- In der Region Antofagasta blockierten Erdrutsche Straßen, Senapred ordnete Evakuierungen gefährdeter Bereiche in Tocopilla an.
Eine der trockensten Regionen der Erde liegt plötzlich unter Schnee: Mehrere Stürme haben im August 2026 große Teile der Atacama-Wüste im Norden Chiles weiß gefärbt. Satellitenaufnahmen dokumentieren, dass sich die Schneedecke stellenweise von den Anden über den extrem trockenen Kern der Wüste bis nahe an die Pazifikküste südlich der Hafenstadt Antofagasta erstreckte.
NASA-Satelliten belegen ungewöhnliche Ausdehnung
Beobachtet wurde das Ereignis unter anderem mit den Satelliten Landsat 8 und Landsat 9 sowie dem MODIS-Instrument des Satelliten Terra. Besonders der Sturm in der zweiten Augusthälfte sei ungewöhnlich großflächig gewesen, heißt es aus dem NASA Earth Observatory. Schnee in der Atacama ist selten, kommt nach Angaben der Weltraumbehörde aber gelegentlich vor – zuletzt seien vergleichbare Schneefälle in den Jahren 2011 und 2025 dokumentiert worden.
Cut-Off-Tief und El Niño als Auslöser
Als meteorologische Ursache gilt ein sogenanntes Cut-Off-Tief, eine vom Jetstream abgeschnürte Tiefdruckzone. Solche Systeme können weit nach Norden bis nach Chile vordringen. Im aktuellen Fall entstand das Tief im Zusammenhang mit einer ungewöhnlich ausgedehnten Tiefdruckrinne, zu der zusätzlich reichlich Feuchtigkeit aus dem Küstenbereich kam. Die Folge waren Niederschläge, die von der Küste über die Wüste bis in die Anden zogen.
Der Geophysiker und Atmosphärenforscher René Garreaud von der Universidad de Chile bestätigte, dass diese Niederschlagsmengen "nur selten beobachtet werden können". Als übergeordneten Hintergrund nannte Garreaud das sich verstärkende El-Niño-Ereignis: Es schwäche das subtropische Pazifikhoch, das sonst für Trockenheit in der Region sorgt, und ermögliche es Tiefdruckgebieten, ihre Zugbahn weiter in Richtung Äquator zu verlagern.
Erdrutsche und Evakuierungen in der Region Antofagasta
Die starken Niederschläge hatten auch direkte Folgen für die Bevölkerung. In Teilen der Region Antofagasta blockierten Erdrutsche und Geröll Straßen. Wohngebiete wurden vorsorglich evakuiert, Notunterkünfte wurden eingerichtet. Der chilenische Katastrophenschutz Senapred ordnete unter anderem die Räumung gefährdeter Bereiche von Tocopilla an, nachdem in Abflussrinnen und Schluchten plötzlich große Wassermassen niedergingen.
Das Ereignis verdeutlicht, wie El-Niño-Phasen selbst in den extremsten Wüstenregionen der Erde zu seltenen, aber folgenreichen Wetterlagen führen können.
Themen
Personen
Organisationen
Orte
More in Umwelt und Klima
→
Umwelt und Klima
Rom: Fünfte Hitzewelle mit 40 Grad
Umwelt und Klima
Klimaschäden überwiegen Nordsee-Nutzen
Umwelt und Klima
Gewittergrenze teilt Deutschland
Umwelt und Klima
Kalimantan: Waldbrände im Super-El-Niño
Umwelt und Klima
Hitze kostet Deutschland 36 Mrd. Euro
Umwelt und Klima
Mindestens 35.000 Hitzetote in Europa