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Umwelt und Klima 4 min read 5h ago

Rom erforscht Katakomben als Hitzeschutz für die Zukunft

  • Rom und die Behörde ISPRA prüfen, ob Teile des weitverzweigten städtischen Untergrundnetzes aus Katakomben und Steinbrüchen als kostenlose Hitzeschutzräume genutzt werden könnten
  • Geologische Messungen belegen, dass die Temperatur bereits ab 3,5 Metern Tiefe konstant zwischen 10 und 17 Grad Celsius liegt; bei 37 Grad Außentemperatur wurden in römischen
  • Rom hat in diesem Sommer einen Hitzeplan mit 50 Millionen Euro Investitionsvolumen für fünf Jahre vorgestellt; die Temperaturen der Stadt stiegen laut Stadtangaben in vier Jahren
Rom erforscht Katakomben als Hitzeschutz für die Zukunft
Rom erforscht Katakomben als Hitzeschutz für die Zukunft

Unter den Straßen Roms verbirgt sich eine zweite Stadt: ein weitverzweigtes Netz aus alten Steinbrüchen, Galerien, Katakomben und archäologischen Stätten, das über Jahrhunderte in den Untergrund getrieben wurde. Nun prüft die römische Stadtverwaltung gemeinsam mit der staatlichen Umweltschutzbehörde ISPRA, ob Teile dieses unterirdischen Erbes künftig als Schutzräume vor extremer Hitze genutzt werden könnten. Das Projekt befindet sich nach Angaben der Beteiligten noch in einem sehr frühen Stadium.

Konstante Kühle wenige Meter unter der Oberfläche

Die physikalische Grundlage des Vorhabens ist gesichert. Francesco La Vigna, Geologe beim ISPRA und Vorsitzender der Urban Geology Expert Group bei EuroGeoSurveys, erklärt, dass ab einer Tiefe von etwa 3,5 Metern kaum noch thermische Schwankungen der Erdoberfläche spürbar sind. Die Temperaturen lägen dort ganzjährig relativ konstant zwischen 10 und 17 Grad Celsius. "In Rom haben wir in einigen Sommermesskampagnen bei Außentemperaturen von über 37 Grad in den Hohlräumen kaum 16 Grad gemessen", sagt La Vigna. Die Nutzung unterirdischer Räume zur Kühlung sei historisch keine Neuheit – bereits in der Antike dienten Keller zur Lagerung von Wein und Lebensmitteln. Neu sei jedoch die bewusste Absicht, solche Räume als Instrument der Klimaanpassung einzusetzen.

Technische Hürden erkannt, aber laut Experten lösbar

Bevor Bürgerinnen und Bürger Zugang erhalten könnten, müssten erhebliche Vorarbeiten geleistet werden. Viele der alten Hohlräume sind seit Jahrzehnten oder Jahrhunderten aufgegeben. Die Stabilität von Decken und Wänden wäre ebenso zu prüfen wie die Belüftung: Hohe Luftfeuchtigkeit und vulkanische Gase wie Radon können bei längerem Aufenthalt gesundheitsschädlich sein. La Vigna hält diese Hindernisse jedoch für überwindbar. "Die strukturelle Sicherung eines unterirdischen Raums ist technisch machbar und ohne Zweifel günstiger als ein Neubau; Feuchtigkeit und Schadgase lassen sich mit geeigneten Belüftungssystemen beheben", sagt er. Er plädiert dafür, zunächst mit den größten, am besten erhaltenen oder bereits zugänglichen Räumen – etwa bestimmten archäologischen Stätten – zu beginnen.

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Stadtverwaltung setzt auf kostenfreien Zugang

Die Stadtregierung knüpft eine Nutzung an zwei Bedingungen. "Sicherheit, einschließlich Lufterneuerung, und freier Zugang – so wie bei unseren anderen Klimaschutzräumen", sagt Edoardo Zanchini, Leiter des städtischen Büros für Klimawandel. Die unterirdischen Räume würden damit ein bestehendes Netz aus 178 klimatisierten Innenräumen – darunter Bibliotheken, Museen und Bürger- und Seniorenzentren – sowie mehr als 400 Außenflächen ergänzen, die während der heißesten Stunden kostenlos genutzt werden können. In diesem Sommer präsentierte Rom erstmals einen umfassenden "Hitzeplan" mit einem Investitionsvolumen von 50 Millionen Euro über fünf Jahre. Er umfasst neben Klimaschutzräumen und kostenlosen Trinkwasserpunkten auch strukturelle Maßnahmen zur Begrünung und Entsiegelung des Stadtgebiets.

Dringlichkeit durch anhaltende Hitzewellen

Der Handlungsdruck ist real. Nach Angaben der Stadtverwaltung sind die Temperaturen in Rom in den vergangenen vier Jahren im Vergleich zum Mittel der Referenzperiode 1990–2020 um knapp zwei Grad gestiegen; die Zahl der Tropennächte – Nächte, in denen das Thermometer nicht unter 20 Grad fällt – hat sich verdreifacht. Italien erlebte in diesem Sommer eine fast ununterbrochene Abfolge von Hitzewellen mit Spitzenwerten über 40 Grad Celsius, vor allem im Süden. Anfang August standen alle 27 Städte des nationalen Hitzemonitoringsystems des Gesundheitsministeriums gleichzeitig auf der höchsten Warnstufe Rot. Der Extremsommer in Europa verschärft dabei auch politische Spannungen um die Klimapolitik.

Europäischer Rahmen und internationale Vorbilder

Die Idee, städtischen Untergrund zur Klimaanpassung zu nutzen, entstand im Rahmen der Urban Geology Expert Group bei EuroGeoSurveys, die Fachleute aus verschiedenen Ländern zusammenbringt. Als Vorbilder gelten Toronto und Montreal, die über ausgedehnte unterirdische Raumnetze als Schutz vor den kanadischen Wintern verfügen, sowie Helsinki mit einem eigenen Regulierungsplan für seinen Untergrund. Im Mittelmeerraum hingegen ist die Herausforderung zunehmend die Hitze. Rom tauscht sich über das C40-Netzwerk – das rund 100 Städte im Kampf gegen den Klimawandel vereint – mit Barcelona, Athen und anderen Metropolen aus. "Wir stehen vor einer beispiellosen, aber für alle Städte der Welt gemeinsamen Herausforderung", sagt Zanchini. Ob Roms Untergrundnetz tatsächlich zu einem belastbaren Baustein der Klimaanpassung werden kann, hängt von noch ausstehenden Sicherheitsprüfungen und politischen Entscheidungen ab – eine Antwort, die die Stadtplanung noch schuldet.

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