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Kultur und Kunst 5 min read 2h ago

CIA und die Kunst des Kalten Krieges

  • Die CIA finanzierte ab 1950 verdeckt den Congress for Cultural Freedom, der in 35 Ländern Büros unterhielt und moderne Kunst als Gegengewicht zur sowjetischen Kulturpropaganda
  • Das MoMA war personell und institutionell eng mit dem US-Außenministerium und dem Geheimdienst verflochten – Schlüsselfiguren wechselten nahtlos zwischen Museum, Diplomatie und
  • Die staatliche Ausstellungsinitiative 'Advancing American Art' scheiterte 1947 am Widerstand des US-Kongresses; die 79 gekauften Kunstwerke wurden für insgesamt 5.544 Dollar
CIA und die Kunst des Kalten Krieges
CIA und die Kunst des Kalten Krieges

Moderne Kunst als Staatswaffe: Während des Kalten Krieges finanzierten die CIA und das US-Außenministerium gezielt Ausstellungen amerikanischer Gegenwartskunst im Ausland – um dem sowjetischen Narrativ entgegenzuwirken, die Vereinigten Staaten seien eine kulturell verödete kapitalistische Gesellschaft. Dieser Einsatz war kein Zufall, sondern das Ergebnis einer engen, über Jahrzehnte gewachsenen Verflechtung zwischen dem Museum of Modern Art (MoMA) in New York, dem amerikanischen Diplomatieapparat und den Geheimdiensten.

Vom Kriegsministerium zum Kalten Krieg

Die institutionellen Wurzeln dieser Verbindung reichen bis in den Zweiten Weltkrieg. Das 1929 von Abby Aldrich Rockefeller gegründete MoMA erfüllte während des Krieges 38 staatliche Aufträge für kulturelle Materialien. Nelson Rockefeller, der in den 1930er-Jahren Museumspräsident wurde, leitete zeitgleich als Koordinator für interamerikanische Angelegenheiten unter Präsident Roosevelt eine Behörde, die 19 Ausstellungen amerikanischer Gegenwartsmalerei durch Lateinamerika schickte. Personelle und institutionelle Zuständigkeiten flossen ineinander: Rückkehrer aus Rockefellers Koordinierungsstab übernahmen nach Kriegsende zentrale Positionen in MoMAs internationalem Ausstellungsprogramm.

"Advancing American Art" – und das Scheitern öffentlicher Finanzierung

1946 gab das State Department 49.000 Dollar aus, um 79 Werke amerikanischer Modernisten – darunter Georgia O'Keeffe und Jacob Lawrence – für die Wanderausstellung "Advancing American Art" zu erwerben. In Europa und Lateinamerika wurde die Schau positiv aufgenommen; in Prag 1947 musste sie jedoch abgebrochen werden. Der Grund: Empörung in der amerikanischen Öffentlichkeit. Das Magazin Look fragte, warum Steuergelder für vermeintlich unverständliche Bilder verwendet würden. Kongressabgeordnete äußerten den Verdacht, einige der beteiligten Künstler hegten kommunistische Sympathien. Präsident Harry Truman äußerte privat, moderne Kunst sei "lediglich das Gestammel halbgar durchdachter fauler Menschen." Die Ausstellung wurde vorzeitig abgebrochen, und die 79 Werke wurden zu Schleuderpreisen verkauft – zusammen brachten sie 5.544 Dollar ein.

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Die CIA übernimmt – verdeckt und wirksam

Exakt in jenem Moment, als die staatliche Kulturoffensive öffentlich scheiterte, wurde 1947 die CIA gegründet. Ihr Personal speiste sich unter anderem aus dem Umfeld des MoMA: Thomas W. Braden, ehemaliger Geschäftsführer des Museums, wechselte 1950 zur CIA und leitete dort die kulturellen Aktivitäten der Behörde. Braden schrieb später im Saturday Evening Post, amerikanische Kunst habe dem Ansehen der USA mehr eingebracht, als Außenminister Dulles oder Präsident Eisenhower mit hundert Reden hätte erreichen können.

Ebenfalls 1950 gründete die CIA den Congress for Cultural Freedom (CCF), mit Sitz in Paris. Die Organisation trat nach außen als autonomer Zusammenschluss von Künstlern, Musikern und Schriftstellern auf, war jedoch tatsächlich eine verdeckt finanzierte CIA-Operation. Auf dem Höhepunkt ihrer Tätigkeit unterhielt die CCF Büros in 35 Ländern, beschäftigte Dutzende Mitarbeitende, gab mehr als 20 Prestige-Zeitschriften heraus und organisierte internationale Ausstellungen und Konferenzen. Die CCF arbeitete mit dem MoMA zusammen, etwa beim Festival "Masterpieces of the Twentieth Century" 1952 in Paris, das laut dem Historiker Hugh Wilford die CCF als bedeutende Größe im europäischen Kulturleben etablierte.

Die CIA finanzierte zudem die Partisan Review, das publizistische Zentrum der nicht-kommunistischen amerikanischen Linken – jenes Milieus, das in Europa die größte intellektuelle Autorität genoss. Deren Kunstkritiker Clement Greenberg war der einflussreichste Fürsprecher des Abstrakten Expressionismus in der Nachkriegszeit. Braden erläuterte die strategische Logik 1967 rückblickend: In vielen europäischen Ländern der 1950er-Jahre seien Sozialisten und Linke die einzigen Menschen gewesen, die entschlossen Kommunismus bekämpften. Die CIA kämpfte nach Bradens Worten um "Picassos Kopf" – mit Jackson Pollocks Kunst als Argument.

MoMA als halbstaatliche Institution

1954 übernahm das MoMA die Betreuung des US-Pavillons auf der Biennale in Venedig vom State Department – als einziger national getragener Pavillon in privatem Besitz. Dies ermöglichte es den USA, moderne Kunst im Ausland zu präsentieren, ohne dafür öffentliche Mittel bewilligen zu lassen. Präsident Eisenhower sprach 1954 beim 25-jährigen Jubiläum des Museums von moderner Kunst als "Säule der Freiheit" und stellte ihr Existenzrecht dem Kulturterror totalitärer Regime gegenüber. Nelson Rockefeller nannte den Abstrakten Expressionismus pointiert "Free Enterprise Painting".

Die zentrale Wirkung dieser Strategie war paradox: Gerade weil moderne Kunst im eigenen Land umstritten war, bewies sie nach außen die Freiheit amerikanischer Gesellschaft. Nicht die Zustimmung zur Kunst war das Argument – sondern dass niemand ihre Schöpfer in Gulags verbannte.

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