Teufelsrad-Figuren für Oktoberfest 2026
- Die Gleichstellungsstelle der Stadt München veranlasste die Überarbeitung von drei Werbefiguren am Eingang des Teufelsrads, weil Röcke und Dekolletés als zu freizügig galten.
- Betreiberin Elisabeth Polaczy (80) ließ Ausschnitte überpinseln und einer Hawaiianerin-Figur Oberteil sowie Schuhe hinzufügen, um die Zulassung für das Oktoberfest 2026 nicht zu
- Bereits 2023 musste eine andere Wiesn-Betreiberfamilie rund 80.000 Euro für die Neugestaltung eines als sexistisch-rassistisch kritisierten Fahrgeschäfts aufwenden.
Vor dem Start des Oktoberfests 2026 hat die Betreiberin des Traditionssfahrgeschäfts Teufelsrad drei von vier weiblichen Werbefiguren am Eingang neu gestalten lassen. Auslöser war ein Schreiben der Gleichstellungsstelle für Frauen der Stadt München, die Veränderungen für ein "etwas vielfältigeres Teufelsrad" vorschlug. Den Figuren waren nach Einschätzung der Behörde die Röcke zu kurz und die Dekolletés zu freizügig.
Drei Figuren überarbeitet, eine bleibt unverändert
Elisabeth Polaczy (80), die das Teufelsrad seit Jahren auf der Wiesn betreibt, ließ daraufhin an den rund zwei Meter großen Statuen Hand anlegen. Eine Figur, die zuvor eine Hawaiianerin mit Blumenkette darstellte, erhielt ein Oberteil sowie Schuhe – Letzteres, weil eine barfüßige Darstellung laut Gleichstellungsstelle als diskriminierend eingestuft worden sei. An zwei weiteren Figuren in traditioneller Dirndl-Tracht wurden die Ausschnitte überpinselt und die Unterhosen farblich so angepasst, dass keine nackten Knie mehr zu sehen sind. Lediglich eine vierte Figur – eine Frau in blauer Hose, die die rechte Hand in die Luft streckt – blieb von der Überarbeitung verschont.
Betreiberin: "Ich will einfach nur Frieden"
Polaczy beschrieb ihre Lage gegenüber der "tz" offen: "Am Anfang hatte ich Angst, dass ich nicht mehr auf die Wiesn darf, wenn ich nicht übermale." Ihre Motivation sei pragmatischer Natur: "Ich will einfach nur Frieden und mein Geschäft gut machen." Die Figuren selbst sind rund 80 Jahre alt und gelten als Teil der Wiesngeschichte des Fahrgeschäfts.
Kein Einzelfall auf der Wiesn
Dass Münchner Behörden gestalterische Änderungen an Fahrgeschäften einfordern, ist kein neues Phänomen. Vor drei Jahren musste die Betreiberfamilie Schäfer des Fahrgeschäfts Voodoo-Jumper nach scharfer Kritik an als sexistisch-rassistisch eingestuften Fassadenbildern rund 80.000 Euro aus eigener Tasche für eine Neugestaltung aufwenden. Das Oktoberfest 2026 findet vom 19. September bis zum 4. Oktober in München statt. Wer sich für das modische Umfeld der diesjährigen Wiesn interessiert, kann auch die eigene Wiesn-Kollektion von Josefine Scholl in den Blick nehmen. Der Fall Teufelsrad wirft erneut die Frage auf, wie weit der behördliche Einfluss auf die gewachsene Bildsprache des Volksfests reichen soll – eine Debatte, die mit dem Beginn der Wiesn 2026 nicht abgeschlossen sein dürfte.
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