Siraj: 26 Tage im Geistergelände Ceutas
- Die Familie des kleinen Siraj lebt seit 26 Tagen im verlassenen Industriegebiet El Tarajal in Ceuta, ohne Zugang zu Toiletten.
- Nach Angaben der Familie hat sich in diesem Zeitraum keine staatliche Behörde bei ihnen gemeldet.
- Médicos del Mundo versorgt die Migranten auf dem Gelände medizinisch; eine dauerhafte institutionelle Lösung ist nicht in Sicht.
Seit 26 Tagen lebt die Familie des kleinen Siraj im Industriegebiet El Tarajal in Ceuta – in einem verlassenen Areal ohne funktionierende sanitäre Anlagen und nach eigenen Angaben ohne jeglichen Kontakt zu staatlichen Stellen. Der Vater, der seinen Sohn und ein weiteres Kind im Schatten beobachtet, bringt die Situation in wenigen Worten auf den Punkt: "Wir haben keine Toiletten. Fordere das für uns ein."
Alltag zwischen verlassenen Kühlschränken
Zwei Kinder, drei und acht Jahre alt, gehen Hand in Hand über das Gelände. Der Jüngere – gekleidet in einen Paw-Patrol-Anzug und Spider-Man-Turnschuhe – winkt einem Fremden spontan zu. Als Notbehelf dienen vier verlassene Kühlschränke, hinter denen sich die Kinder zurückziehen. Ein durchdringender Uringeruch empfängt jeden, der das Gelände durch das farbige Gittertor betritt. Die Eltern Daidu und Nihad halten sich gemeinsam mit ihren zwei Söhnen auf dem Gelände auf. Ihr Vater bewacht sie aus etwa 100 Metern Entfernung.
Kein Kontakt zu Behörden
Nach Schilderung der Familie hat sich in 26 Tagen keine Behörde bei ihnen gemeldet: "Niemand ist gekommen, um uns irgendetwas zu fragen." Medizinische Versorgung erhalten die auf dem Gelände lebenden Migranten nach vorliegenden Informationen durch eine Karawane der Organisation Médicos del Mundo – staatliche Stellen seien hingegen nicht aktiv geworden. Spaniens Premierminister Sánchez berief den Sicherheitsrat 26 Tage nach Ausbruch der Ceuta-Krise ein; ob dieser Schritt Auswirkungen auf die Situation der Familien im Industriegebiet hat, ist derzeit offen.
Humanitäre Lücke bleibt ungeschlossen
Die Schilderungen aus El Tarajal stehen stellvertretend für eine umfassendere Debatte über den Umgang mit Migranten in Ceuta. Spaniens Sozialministerin Elma Saiz hatte zuvor vor Migranten ohne gesicherte Rechte in Ceuta gewarnt. Wie viele Menschen insgesamt auf dem Gelände ausharren und unter welchen konkreten Bedingungen, geht aus den bislang vorliegenden Informationen nicht vollständig hervor. Der Fall Siraj verdeutlicht, dass grundlegende humanitäre Mindeststandards auf dem Gelände nach wie vor nicht gewährleistet sind.
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