KI-Server-Schmuggel: Anklage in Taiwan
- Taiwans Staatsanwaltschaft in Keelung hat neun Personen angeklagt, darunter Mitarbeiter von Nvidias und Super Micro Computers taiwanischen Niederlassungen, wegen des mutmaßlich
- Laut Anklage wurden gefälschte Endnutzer-Bescheinigungen genutzt, um 74 von 130 bestellten B300-Servern über Routen durch Indonesien, Japan und Hongkong an chinesische Abnehmer zu
- Ein paralleles US-Verfahren gegen Super-Micro-Manager wegen ähnlicher Vorwürfe läuft bereits seit März; ob beide Fälle direkt zusammenhängen, ist bislang nicht verifiziert.
Die Staatsanwaltschaft der nordöstlichen taiwanischen Hafenstadt Keelung hat Anklage gegen neun Personen erhoben, die am illegalen Export von mit Nvidia-Prozessoren ausgestatteten KI-Hochleistungsservern nach China beteiligt gewesen sein sollen. Unter den Beschuldigten befinden sich nach Angaben der Behörden ein Mitarbeiter der taiwanischen Nvidia-Niederlassung sowie zwei Mitarbeiter der lokalen Filiale von Super Micro Computer.
Gefälschte Endnutzer-Bescheinigungen
Im Zentrum der Vorwürfe stehen manipulierte Exportdokumente. Den Ermittlungen zufolge wurden für 130 bei Super Micro Computer bestellte B300-Server Endnutzer-Bescheinigungen gefälscht, die vorgaben, die Geräte seien in einem angemieteten Rechenzentrum in Taiwan installiert und in Betrieb. Tatsächlich sollen 74 dieser Server an chinesische Kunden geliefert worden sein – teils über Direktrouten nach China, teils über Zwischenstationen in Indonesien, Japan und Hongkong. Die verbliebenen 56 Server waren offenbar für einen Empfänger in Japan bestimmt; taiwanische Zollbeamte stoppten diesen Teilexport jedoch, nachdem sie Unregelmäßigkeiten festgestellt hatten.
Acht der neun Angeklagten wurden wegen Untreue und Urkundenfälschung angeklagt. Gegen einen neunten Beschuldigten richtet sich der Vorwurf der mutmaßlichen Veruntreuung von Geldern eines an den Exportgeschäften beteiligten Unternehmens. Die Staatsanwaltschaft erklärte laut vorliegenden Berichten, den Beschuldigten seien die strengen internen Kontrollverfahren bei Nvidia und Super Micro "vollkommen bewusst" gewesen. Die Angeklagten hätten dennoch "auf verschiedenen Ebenen zum eigenen enormen Vorteil gemeinsame Sache gemacht" und dabei dem internationalen Ansehen Taiwans "schweren Schaden" zugefügt.
Paralleles Verfahren in den USA
Der Fall steht nicht isoliert: Im März wurden in den Vereinigten Staaten zwei hochrangige Manager von Super Micro Computer und ein weiterer Verdächtiger angeklagt, weil sie Nvidia-Chips angeblich illegal nach China verkauft haben sollen. Das US-Justizministerium erklärte, die Beschuldigten hätten im Auftrag eines südostasiatischen Unternehmens Server mit Nvidia-GPUs in den USA zusammenbauen und anschließend nach Taiwan verschiffen lassen – von wo aus sie heimlich nach China gebracht worden seien. Ob dieser US-amerikanische Fall und die neue Anklage in Taiwan in direktem Zusammenhang stehen, blieb zum Zeitpunkt der Berichterstattung unbestätigt.
Verschärfte Exportkontrollen im Spannungsfeld der Geopolitik
Der Hintergrund der Verfahren ist ein sich verschärfendes geopolitisches Spannungsfeld. Taiwan hat in den vergangenen Jahren seine Exportkontrollen für Spitzentechnologie nach China sukzessive verschärft. Die USA erließen bereits im Oktober 2022 unter Präsident Joe Biden weitreichende Beschränkungen für den Export hochleistungsfähiger KI-Chips nach China – Beschränkungen, die Hersteller zeitweise durch angepasste Produktvarianten zu umgehen versuchten, woraufhin Washington Schlupflöcher schloss. Die Trump-Administration erteilte im Sommer 2025 zwar Ausfuhrgenehmigungen für Nvidias H20-Beschleuniger nach China, verbunden mit einer Gewinnbeteiligung für die US-Regierung. Anfang November erklärte Präsident Trump dann, die fortschrittlichsten KI-Chips müssten US-Unternehmen vorbehalten bleiben – aus Gründen der nationalen Sicherheit. Später ersetzte er das generelle Verbot durch ein System von Einzelfallprüfungen und erlaubte Nvidia den Verkauf nachrangiger KI-Chips nach China. Wie angespannt das technologische Verhältnis zwischen den USA und China bleibt, zeigt auch der Fall Apple, das sein KI-Modell für den chinesischen Markt gemeinsam mit Alibaba trainiert. Die Keelunger Anklage verdeutlicht, dass selbst unter verschärften Regeln erhebliche Anreize bestehen, Exportbarrieren zu umgehen – und dass die Strafverfolgung nun international koordinierter vorgeht.
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