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Umwelt und Klima 5 min read 1h ago

Stadtbäume gegen den Klimawandel

  • Die städtischen Wälder am Colorado Front Range sind laut Fachleuten durch Klimaerwärmung, Schädlinge wie den Emerald Ash Borer und verbreitete Monokulturen aus Eschen ernsthaft
  • Vier Baumexperten empfehlen auf dem Achten Jährlichen Baumvielfalt-Kongress eine deutlich größere Artenvielfalt mit trockenheits- und wärmetoleranten Arten wie Eichen, Caddo-Ahorn
  • Eine 50-jährige Baumkartierung Denvers zeigt, dass Burr-Eiche, Kentucky-Geweihbaum, Chinkapin-Eiche, Texas-Roteiche und Gelbe Rosskastanie die schwierigen örtlichen Bedingungen am
Stadtbäume gegen den Klimawandel

Die Stadtwälder entlang des Colorado Front Range stehen unter wachsendem Druck: Klimamodelle prognostizieren steigende Temperaturen, der Schädling Emerald Ash Borer dezimiert Eschenbestände, und die ohnehin schwierigen Wachstumsbedingungen der Region – alkalische Böden, geringe Niederschläge, späte Frühlingsfrierperioden und ein um einen Monat kürzeres Wachstumsfenster als im Mittleren Westen – dürften sich weiter verschlechtern. Beim Achten Jährlichen Baumvielfalt-Kongress am 4. März beschrieben Referenten die Bedingungen für Bäume am Front Range als "hart".

Monokultur als Risikofaktor

Genau dort liegt nach Einschätzung der Fachleute ein Kernproblem: Weil in schwierigen Klimazonen erfahrungsgemäß auf bewährte Arten zurückgegriffen wird, haben sich an vielen Standorten Monokulturen gebildet – vor allem mit Eschen. Diese Abhängigkeit von einer einzigen Baumart erhöht die Anfälligkeit gegenüber Schädlingen und Krankheiten erheblich. Der Verlust großer Eschen-, Pappel- und anderer geschwächter Bäume werde zudem den städtischen Wärmeinselneffekt verstärken, da Asphalt, Metall und Beton Sonnenhitze speichern, wo kein Blätterdach Schatten spendet.

Empfehlungen der Experten

Scott Skogerboe, Vermehrer bei der Fort Collins Wholesale Nursery, plädiert für einen Schwenk hin zu heimischen Arten, die einheimische Wildtiere, Insekten und Vögel unterstützen. Angesichts der Erwärmung empfiehlt er, Saatgutquellen künftig verstärkt aus südlicheren Regionen – Texas, Oklahoma und dem südlichen Nebraska – zu beziehen statt ausschließlich aus dem Norden. Zu seinen konkreten Empfehlungen zählen die widerstandsfähige Arizona-Zypresse, die Caddo-Ahorne aus Oklahoma sowie ein winterharter Gambel-Eichen-Klon namens 'Gila Monster', der Temperaturen bis –30 °F standhält und zugleich sehr trockenheitstolerant ist. Auch Kentucky-Geweihbaum und Catalpa hält er für gut an Colorado angepasst.

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Tim Buchanan, der Fort Collins über 41 Jahre als städtischer Forstbeauftragter leitete und inzwischen im Ruhestand ist, betont die besonderen Herausforderungen seines früheren Zuständigkeitsbereichs: Der Boden dort hat einen pH-Wert von rund 8 – stark alkalisch. Beliebte Ahornarten wie Autumn Blaze, Silberahorn und Norwegerahorn kämen dort schlecht zurecht. Er empfiehlt stattdessen Caddo-Ahorn, Schwarzahorn (Acer nigrum) sowie die Texas-Roteiche (Quercus buckleyi), die gute Herbstfärbung zeige. Besonders problemlos sei der Kentucky-Geweihbaum. Die besten Ergebnisse in einer 50-jährigen Baumkartierung Denvers – zuerst 1968 von Al Rollinger dokumentiert, später gemeinsam mit Panayoti Kelaidis aktualisiert – erzielten laut dieser Erhebung Burr-Eiche, Kentucky-Geweihbaum, Chinkapin-Eiche, Texas-Roteiche und Gelbe Rosskastanie.

Panayoti Kelaidis, Senior Curator und Director of Outreach an den Denver Botanic Gardens, kritisiert die verbreitete Praxis, Bäume durch Klonen zu vermehren: Individuen mit identischer Genetik seien anfällig und "eine Katastrophe in der Entstehung". Er verweist darauf, dass westliche Böden – sogenannte Pedocal-Böden, gebildet unter ariden Bedingungen, kalkreich und humusarm – grundlegend verschieden von den fruchtbaren, sauren Pedalfer-Böden des Ostens seien. Bäume, die im Mittleren Westen problemlos gedeihen, könnten deshalb in Colorado versagen, sofern nicht über Jahre kompostiert und bewässert werde. Ähnliche Klimastressfaktoren belasten auch den Obstanbau in anderen Teilen des Landes.

Sonia John, Kuratorin des Arboretums der Regis University und Initiatorin des Baumvielfalt-Kongresses im Jahr 2014, setzt besonders auf Eichen: Sie treiben spät aus und überstehen Spätfrierperioden gut. Wegen ihrer natürlichen Hybridisierungsfreudigkeit hält sie es für möglich, Eichen gezielt auf höhere Hitze-, Kälte- und Trockenheitstoleranz zu züchten. Daneben empfiehlt sie den Amerikanischen Perückenstrauch, Yellowhorn sowie nordamerikanische Pekan-Nuss.

Praxis und offene Fragen

Praktische Maßnahmen, die mehrere Experten empfehlen, umfassen das Beimischen von 20 bis 30 Prozent Kompost beim Pflanzen, die Impfung von Wurzeln mit Mykorrhiza-Pilzen sowie den Einsatz von Wurzelbeschneidungstöpfen, um Strangulation zu verhindern. Tiefes, seltenes Gießen sei für die meisten Bäume gesünder als die häufige und übermäßige Bewässerung, die Rasensysteme erfordern. Die Frage, welche Selektionen und Herkünfte sich langfristig in einer wärmeren, trockeneren Zukunft behaupten werden, bleibt nach Einschätzung der Beteiligten offen – sie lässt sich nur durch konsequentes Ausprobieren beantworten. Einig sind sich die Experten darin, dass eine breitere genetische Vielfalt die einzige verlässliche Versicherung gegen zukünftige Schädlinge, Krankheiten und klimatische Extremereignisse darstellt.

Themen

KlimaresilienzStadtforstwirtschaftInvasive Arten

Personen

Panayoti KelaidisScott SkogerboeSonia John

Organisationen

Denver Botanic Gardens

Orte

Colorado Front Range
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