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Umwelt und Klima 3 min read 1h ago

Orca-Matriarchin Toñi erschossen

  • Die Orca-Matriarchin Toñi wurde am 10. August mit rund zehn Schrotkugeltreffern an der Rückenflosse gesichtet; erste Ermittlungen deuten auf ein spanisches Schiff in
  • Die iberische Orca-Population gilt als vom Aussterben bedroht – beim letzten Zählvorgang wurden nur noch 27 Exemplare erfasst.
  • Die spanischen Ermittlungen befinden sich noch in einem frühen Stadium; ob der Fall an Staatsanwaltschaft und Seprona weitergegeben wird, ist noch nicht entschieden.
Orca-Matriarchin Toñi erschossen
Orca-Matriarchin Toñi erschossen

Die rund 60-jährige Orca-Matriarchin Toñi, älteste bekannte Anführerin der ibérischen Orca-Population und auch unter dem Namen "La Abuela" bekannt, wurde am 10. August mit deutlich sichtbaren Schusswunden an ihrer Rückenflosse gesichtet. Erste Ermittlungen des zuständigen spanischen Ministeriums für ökologischen Wandel deuten darauf hin, dass die Schüsse aus einem unter spanischer Flagge fahrenden Schiff in portugiesischen Hoheitsgewässern abgegeben wurden.

Rund zehn Einschüsse – einige vermutlich noch in der Flosse

Nach Angaben aus dem Ministerium erhielt Toñi rund zehn Treffer, von denen einige Schrotkugeln mutmaßlich noch in der Rückenflosse stecken. Wissenschaftler befürchteten zunächst eine ernste Infektion, da das Immunsystem älterer Tiere schwächer ist als das jüngerer Exemplare. Janek André, Vorsitzender der Organisation We Whale / Iberian Orca Guardians, erklärte, die Matriarchin sei vergangene Woche im Algarve (Portugal) zusammen mit ihrem Adoptivsohn Pingu und der Weibchenorca Scarlet gesichtet worden, die kürzlich ein Kalb zur Welt gebracht hatte. Ihr Zustand sei derzeit stabil.

Tatort zwischen Faro und der Straße von Gibraltar vermutet

Als Toñi verletzt in der Straße von Gibraltar auftauchte, hatte sie soeben eine Wanderung entlang der portugiesischen Küste von Galicien aus abgeschlossen. Bei einem vorherigen Sichtung in Faro zeigte sie noch keinerlei Verletzungen. Die Ermittler gehen daher davon aus, dass die Schüsse irgendwo zwischen Faro und der Straße von Gibraltar fielen – der genaue Ort ist bislang nicht bestätigt.

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Toñi ist Teil der sogenannten Gladis-Gruppe

Toñi gilt als Wissensträchterin ihres Verbands und ist die Anführerin einer Gruppe, zu der auch die sogenannten Gladis gehören – Orcas, die sich Booten nähern, physischen Kontakt aufnehmen und in einigen Fällen deren Kentern verursacht haben. Dieses Verhalten ist Gegenstand laufender wissenschaftlicher Untersuchungen; die Ursachen sind nach wie vor ungeklärt. In diesem Jahr hat Toñi selbst begonnen, an solchen Interaktionen teilzunehmen. Ob ein Zusammenhang zwischen diesem Verhalten und dem Angriff auf sie besteht, ist Spekulation.

Nur noch 27 Tiere – Population gilt als vom Aussterben bedroht

Die iberische Orca-Population wird von der Internationalen Union zur Bewahrung der Natur (IUCN) als vom Aussterben bedroht eingestuft und ist im spanischen Katalog gefährdeter Arten als gefährdet gelistet. Beim jüngsten Zählvorgang wurden nur noch 27 Exemplare erfasst, wie André betonte. "Auf sie zu schießen kann niemals eine akzeptable Reaktion sein", sagte er mit Blick auf den Konflikt zwischen Orcas und Bootsbesatzungen.

Ermittlungen laufen – Zuständigkeit noch offen

Das Ministerium betonte, die Untersuchung befinde sich noch im Stadium von Vorermittlungen; eine abschließende Aussage zur Täterschaft sei derzeit nicht möglich. Die Ermittlungen werden von der Generaldirektion für Biodiversität, Wälder und Desertifikation in Zusammenarbeit mit portugiesischen Behörden geführt und umfassen die Vernehmung verschiedener Personen. Nach Abschluss soll geprüft werden, ob der Fall an den Naturschutzdienst der Guardia Civil (Seprona) und die Staatsanwaltschaft weitergeleitet wird. Der Ausgang des Verfahrens bleibt offen – ebenso die Frage, welche rechtlichen Konsequenzen ein Schusswaffenangriff auf eine vom Aussterben bedrohte Art nach sich ziehen wird.

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