Cody Wilson entwickelt Tool zum Umgehen von 3D-Waffenerkennungssoftware
- Cody Wilson behauptet, mit "Hochulization" ein Werkzeug entwickelt zu haben, das hash-basierte Waffenerkennungssoftware für 3D-Drucker durch automatisches Verändern von
- New York hat als erster US-Bundesstaat ein Gesetz verabschiedet, das neue 3D-Drucker zur Installation von Blockiersoftware verpflichtet; ein ähnliches Gesetz (AB 2047) in
- Ein Dartmouth-Professor bestätigte die technische Wirksamkeit von Hochulization gegen hash-basierte Systeme, wies jedoch darauf hin, dass Zugangshürden wie Kontoregistrierung
Cody Wilson, der nach eigenen Angaben die erste funktionsfähige 3D-gedruckte Schusswaffe der Welt hergestellt hat, behauptet, ein Werkzeug entwickelt zu haben, das gesetzlich vorgeschriebene Erkennungssoftware für 3D-Drucker unterlaufen kann. Das Werkzeug trägt den Namen "Hochulization" – eine direkte Anspielung auf die New Yorker Gouverneurin Kathy Hochul, die Anfang dieses Jahres das nach eigenen Angaben erste entsprechende Gesetz der USA durchgesetzt hat, das neue Drucker zur Installation von Waffenerkennungssoftware verpflichtet.
Wie das Werkzeug technisch funktioniert
Im Kern greift Hochulization in eine hash-basierte Erkennungslogik ein. Dateien für 3D-gedruckte Waffen lassen sich anhand eines sogenannten Hashes identifizieren – einer eindeutigen Zeichenkette, die durch einen Algorithmus aus dem Dateiinhalt berechnet wird. Ein Erkennungssystem, das auf solchen Hashes basiert, würde bekannte Waffendateien anhand dieser Zeichenketten aufspüren und den Druckvorgang blockieren. Hochulization fügt den Dateien automatisch eine geringe Menge zusätzlicher Bytes hinzu, was den Hash verändert, ohne die Funktion des gedruckten Objekts zu beeinträchtigen. Ein Schalldämpfer oder eine Waffe, so Wilson, würde nach wie vor wie vorgesehen funktionieren.
Wilson betreibt über seine Firma Defense Distributed die Plattform DEFCAD, die nach seinen Angaben mehr als 200.000 Waffendateien und Komponenten wie Schalldämpfer hostet. Er will das Werkzeug standardmäßig auf alle dort gespeicherten Dateien anwenden und es zudem als Open-Source-Lösung veröffentlichen, sodass einzelne Nutzer es eigenständig einsetzen könnten. Wilson gibt an, mit diesem Prozess bereits begonnen zu haben.
Reaktion der Politik bleibt aus
Hochuls Büro hat auf eine Anfrage zu Wilsons Werkzeug nicht geantwortet. Auch die Sprecherin der kalifornischen Abgeordneten Rebecca Bauer-Kahan, die den Gesetzentwurf AB 2047 eingebracht hat, lehnte eine Stellungnahme ab. Das kalifornische Gesetz, das sich derzeit auf dem Weg zur Abstimmung im Senat befindet, würde ebenfalls neue Drucker zur Installation von Blockiersoftware verpflichten; der Verkauf nicht konformer Geräte im Bundesstaat wäre ab Dezember 2029 untersagt.
Weder in New York noch in Kalifornien wurde bislang festgelegt, wie die vorgeschriebene Software konkret ausgestaltet sein soll. Diese Frage liegt bei Arbeitsgruppen aus Experten der Fertigungstechnik, der künstlichen Intelligenz und der Waffenregulierung.
Experte: Technisch wirksam, aber kein vollständiges Gegenargument
Solomon Diamond, außerordentlicher Professor für Ingenieurwissenschaften am Dartmouth College, bestätigte gegenüber dem Verge, dass Hochulization auf technischer Ebene wahrscheinlich wirksam wäre, um hash-basierte Erkennungssysteme zu umgehen. Gleichzeitig schränkte Diamond ein, dass dies den hash-basierten Ansatz nicht zwingend nutzlos mache: Nicht jeder Nutzer würde den zusätzlichen Schritt unternehmen, einen Hash zu verändern. Das Anlegen eines DEFCAD-Kontos und die Verknüpfung mit einer E-Mail-Adresse stelle eine weitere Zugangshürde dar, die weniger motivierte Nutzer abschrecken könnte.
Wilson argumentiert seinerseits, dass KI-gestützte Erkennungssysteme, die Dateigeometrien analysieren statt nur Hashes abzugleichen, zwar mehr Waffen erfassen würden, aber auch deutlich mehr Fehltreffer produzierten. Sein Team habe ein eigenes KI-Erkennungsmodell entwickelt, das unter anderem auf Dateien aus der DEFCAD-Datenbank trainiert wurde, und dabei Wege gefunden, dieses System mit Techniken wie dem geringfügigen Verändern des Oberflächennetzes (Mesh) oder dem Hinzufügen kleiner ungenutzter Geometrien zu überlisten. Wilson behauptet, selbst dieses System habe eine Falschpositivrate von 30 Prozent aufgewiesen. Diese Angaben sind unabhängig nicht überprüft. Das Unternehmen Print&Go mit Sitz in Spanien, das nach Wilsons Angaben mit den Gesetzgebern in New York und Kalifornien zusammenarbeitet, hat sich dazu nicht geäußert.
Wachsende Verbreitung, wachsende Bedrohungslage
Der Kontext, in dem diese technische Auseinandersetzung stattfindet, ist ernst: Die New Yorker Polizei beschlagnahmte 2021 lediglich eine 3D-gedruckte Schusswaffe, 2024 waren es bereits 109. Die Organisation Everytown verzeichnete ähnliche Anstiege in 20 weiteren US-Städten. Im Verhältnis zur Gesamtzahl beschlagnahmter Schusswaffen sind 3D-gedruckte Modelle jedoch noch immer eine Minderheit. Zugleich haben sich die Möglichkeiten seit Wilsons einseitig schießendem "Liberator" aus dem Jahr 2013 erheblich weiterentwickelt: Modelle wie die FGC-9 können mehrere Schüsse abfeuern, ohne zu versagen, und wurden nach vorliegenden Informationen in neonazistischen Zellen in Europa sowie bei Rebellengruppen in Myanmar sichergestellt. Der in den USA wegen des Mordes an UnitedHealthcare-CEO Brian Thompson geständige Luigi Mangione soll laut Anklage einen teilweise 3D-gedruckten Pistolenrahmen und einen 3D-gedruckten Schalldämpfer verwendet haben.
Wilson selbst beschreibt sich als Krypto-Anarchist und aggressiven Befürworter des Zweiten Zusatzartikels der US-Verfassung. Er ist der Ansicht, dass Waffendateien als verfassungsrechtlich geschützte Meinungsäußerung nach dem Ersten Zusatzartikel gelten müssten – eine rechtliche Frage, die in US-Gerichten weiterhin ungeklärt ist. Wilson hat 2018 auch die Plattform Hatreon betrieben, die als Alternative zu Patreon Extremisten, Anhänger von White-Supremacy-Ideologien und Neonazis anzog und schließlich eingestellt wurde.
Indem Wilson demonstriert, wie leicht ein rein hash-basierter Ansatz zu umgehen ist, versucht er nach eigenen Angaben, die Policymaker in den Arbeitsgruppen zu einer Entscheidung zu zwingen: entweder ein aggressiveres, KI-gestütztes Scanverfahren – mit allen damit verbundenen Risiken für Datenschutz und Falschpositive – oder der Verzicht auf Softwarevorschriften. Die Debatte über den Einsatz von KI zur Erkennung und Abwehr sicherheitsrelevanter Inhalte ist dabei nicht auf den Waffenbereich beschränkt und berührt grundlegende Fragen über digitale Überwachung und die Grenzen technischer Regulierung.
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