Silvia Pérez Cruz singt gratis in einem verdunkelten Havanna
- Silvia Pérez Cruz gab im Rahmen ihrer Lateinamerika-Tournee ein kostenloses Konzert in der Iglesia de San Francisco el Nuevo in Havanna.
- Kuba leidet unter einer durch US-Ölsanktionen ausgelösten Versorgungskrise mit gravierenden Engpässen bei Strom, Wasser und Gas.
- Die Ankündigung des Gratis-Konzerts löste unter einem Teil des Habaneroer Publikums Begeisterung aus, da das Freizeitangebot in der Stadt immer teurer und seltener wird.
Die Sängerin Silvia Pérez Cruz hat in Havanna ein kostenloses Konzert gegeben – ein seltenes Ereignis für eine Stadt, die seit Monaten unter Stromausfällen, Wasserknappheit und den Folgen verschärfter US-Sanktionen leidet. Das Konzert in der Iglesia de San Francisco el Nuevo fand im Rahmen der Lateinamerika-Tournee zu ihrem jüngsten Album Oral Abisal statt.
Begeisterung in einer erstickenden Gegenwart
Als die Ankündigung des Gratis-Konzerts bekannt wurde, löste sie unter einem Teil des Habaneroer Publikums erhebliche Begeisterung aus. Viele Kubanerinnen und Kubaner haben dem Quellmaterial zufolge angesichts des täglichen Überlebenskampfs das Gefühl für die Zeit verloren: Ihre Kraft gilt dem Beschaffen von Wasser, Strom und Gas – oder der Arbeit, die den Kauf von Lebensmitteln erst ermöglicht. Das ohnehin knappe Freizeitangebot in den kubanischen Städten hat sich verteuert; immer weniger Menschen können es sich leisten. Der Konzertabend wurde von Teilen des Publikums daher als Aufatmen inmitten einer erdrückenden Gegenwart empfunden.
Kuba unter dem Druck der US-Sanktionen
Den Rahmen bildet die von der US-Regierung unter Donald Trump verhängte Ölblockade gegen Kuba sowie nachfolgende Sanktionen, die das Land in einer tiefen Versorgungskrise gefangen halten. Der wirtschaftliche Würgegriff auf Kuba soll nach US-Plänen bis mindestens 2029 anhalten. Konzerte wie jenes von Pérez Cruz – kostenfrei und in einem sakralen Raum – gewinnen in diesem Kontext eine symbolische Dimension, die über das musikalische Ereignis selbst hinausgeht.
Ähnlich wie die guatemaltekische Sängerin Sara Curruchich verbindet auch Pérez Cruz ihren Auftritt mit einer kulturellen Haltung, die Musik als Medium der Gegenwart begreift. Wie das Konzert im Einzelnen verlief, wie viele Zuschauerinnen und Zuschauer erschienen und wie die Stimmung im Verlauf des Abends war, geht aus dem verfügbaren Material nicht hervor. Festzuhalten bleibt: Unter den gegebenen Bedingungen erlangte ein kostenloser Konzertabend in Havanna eine Bedeutung, die weit über den Kulturkalender hinausweist.
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