Mordprozess: Handy-Daten gegen Gina H.
- Neu ausgewertete Handydaten stellen Gina H.s Alibi in Frage: Laut Gutachter hätte sie in dem angegebenen Zeitfenster keine Bank in Güstrow erreichen können.
- Eine Kamera filmte zwischen 10.43 und 10.54 Uhr einen orangefarbenen Ford Ranger in Fabians Straße – eine direkte Verbindung zu Gina H.s Fahrzeug ist damit nicht bewiesen.
- Für den 9. Oktober hielten Ermittler ein zufälliges Treffen zwischen Gina H. und Fabian für möglich; ein Teil der Handydaten aus diesem Zeitraum wurde erst eineinhalb Stunden
Im Mordprozess um den achtjährigen Fabian rücken neu ausgewertete Handydaten der Angeklagten Gina H. zunehmend in den Mittelpunkt. An diesem Verhandlungstag präsentierte ein Kriminaloberkommissar detaillierte Bewegungsprofile, die aus dem Smartphone der Angeklagten gewonnen wurden – und die mehrere ihrer bisherigen Angaben erheblich in Frage stellen.
Alibi-Angabe zum Bankbesuch laut Experten nicht haltbar
Gina H. hatte erklärt, sie sei am Tattag am Vormittag zu einer Bank in Güstrow gefahren. Dieser Darstellung widersprach der Gutachter auf Grundlage der Handydaten. Zwischen 10.43 Uhr und 10.52 Uhr registriert das Smartphone demnach Stillstand. Ein Bankautomat sei von Fabians Wohnort jedoch mindestens drei Minuten mit dem Auto oder neun Minuten zu Fuß entfernt gewesen. "Das hätte nicht gereicht, um eine Bank zu erreichen. Weder mit dem Auto noch zu Fuß", erklärte der Experte. Auffällig ist zudem, dass Fabians Handydisplay zuletzt um 10.51 Uhr aktiv war – also genau in jenem Zeitfenster, in dem Gina H.s Gerät Stillstand anzeigte.
Kamera erfasste orangefarbenen Ford Ranger in Fabians Straße
Eine Kamera zeichnete zwischen 10.43 und 10.54 Uhr einen orangefarbenen Ford Ranger in Fabians Straße auf. Ob es sich dabei um das Fahrzeug von Gina H. handelte, ist damit jedoch nicht bewiesen. Für den 13. Oktober 2025 zeigt die Auswertung: Um 10.14 Uhr verschickte Gina H. eine Nachricht mit dem Wortlaut "Fahre jetzt los", kurz darauf registrierte das Handy eine Autofahrt. Zwischen 10.25 und 11.13 Uhr fehlen jegliche Handyaktivitäten. In diesen Zeitraum fällt eine Zeugenaussage, wonach gegen 11.10 Uhr ein orangefarbener Ford Ranger in der Nähe des späteren Tatorts gesehen worden sein soll.
Mögliche Verbindung zu einem früheren Treffen
Für den 9. Oktober 2025 hielten die Ermittler ein zufälliges Treffen zwischen Fabian und Gina H. gegen 14.25 Uhr für möglich. Die Handydaten zeigen für diesen Zeitpunkt eine kurze Gehbewegung sowie die Nutzung von Kalender und Taschenrechner. Ein Teil der Daten war laut dem Gutachter erst rund eineinhalb Stunden später gespeichert worden – warum, konnte er nicht erklären.
Nächtlicher Weg zum Tümpel in den Daten erkennbar
Auch der nächtliche Weg zu einem Tümpel, den Gina H. gemeinsam mit einem Mann namens Christian D. unternommen haben soll, lässt sich laut dem Ermittler in den Bewegungsdaten nachvollziehen. Zwischen 20.58 und 21.28 Uhr wechselt das Handy mehrfach zwischen Gehen und Stillstand. Das Display wird dreimal aktiviert, einmal bleibt es fünf Minuten eingeschaltet, ohne dass eine weitere Nutzung registriert wird. Auch spätere Suchaktionen mit zwei weiteren Personen spiegeln sich nach Angaben des Kriminaloberkommissars in den Daten wider.
Angeklagte zeigt sich ungeduldig
Während einer Vernehmungspause war Gina H. sichtlich unruhig. In einem im Gericht gezeigten Video äußerte sie ihren Unmut darüber, die Dienststelle nicht verlassen zu dürfen: "Meine Pferde stehen draußen auf der Koppel, die haben Hunger." Sie äußerte sich zudem besorgt um ihre Großeltern und ihren Sohn. "Ich hab keinen Bock mehr. Ich will nach Hause!"
Richter Holger Schütt schloss die Verhandlung um 17.54 Uhr. Der Prozess wird am Freitag um 9.30 Uhr fortgesetzt. Dabei dürfte die weitere Auswertung digitaler Spuren erneut eine zentrale Rolle spielen. Ob die Bewegungsdaten letztlich eine Täterschaft von Gina H. belegen oder widerlegen, bleibt eine offene Frage – die Daten legen Ungereimtheiten nahe, liefern aber noch keinen abschließenden Beweis.
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