Grünen-Spitzenkandidatin unter Druck
- Eine Ausgabe des Antifaschistischen Infoblatts von 1995 listet David Seidlitz, Ehemann der Grünen-Spitzenkandidatin Susan Sziborra-Seidlitz, als Mitglied einer dem Neonazi-Milieu
- Sziborra-Seidlitz bestätigte die rechtsextreme Vergangenheit ihres Mannes bereits im Mai 2022 im Landtag, wies aber die Darstellung zurück, er sei ein Kader oder führender
- David Seidlitz ist heute hauptamtlich als Regionalgeschäftsführer für die Grünen in Sachsen-Anhalt tätig; die Debatte trifft seine Frau eine Woche vor der Landtagswahl.
Eine Woche vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt steht Grünen-Spitzenkandidatin Susan Sziborra-Seidlitz (48) unter erklärungsbedürftigem Druck: Berichte über eine frühere rechtsextreme Bindung ihres Ehemannes David Seidlitz (50) sind erneut in den Fokus gerückt und treffen den Wahlkampf der Grünen in einem besonders ungünstigen Moment.
Vorwürfe aus dem Jahr 1995
Grundlage der aktuellen Debatte ist eine Ausgabe des Antifaschistischen Infoblatts aus dem Jahr 1995. Darin wird David Seidlitz als Mitglied eines "Unabhängigen Arbeitskreises" im Raum Quedlinburg genannt, der dem damaligen Neonazi-Milieu zugerechnet wurde. Das Dokument enthält seinen Namen sowie ein Foto, auf dem er identifiziert wird. Zuerst hatte das Portal Tichys Einblick darüber berichtet.
Nicht zum ersten Mal: Die Debatte von 2022
Neu sind die Vorwürfe indes nicht. Bereits im Mai 2022 hatte die AfD das Thema im Landtag von Sachsen-Anhalt aufgegriffen. Sziborra-Seidlitz bestätigte damals die rechtsextreme Vergangenheit ihres Mannes grundsätzlich. Die Darstellung jedoch, er sei ein Kader oder führender Funktionär der Szene gewesen, wies sie ausdrücklich zurück. Stattdessen stellte sie sich demonstrativ hinter ihn: Seidlitz sei heute ein "lupenreiner Demokrat" und "absolut ohne jeden Zweifel Antifaschist".
David Seidlitz ist hauptamtlich für die Grünen tätig. Auf der Internetseite des Landesverbandes wird er als Regionalgeschäftsführer für mehrere Kreisverbände geführt.
Heikle Ausgangslage im Wahlkampf
Die Grünen haben sich im Wahlkampf als entschiedene Gegner des Rechtsextremismus positioniert. Sziborra-Seidlitz nutzte zuletzt im TV-Duell mehrfach die Gelegenheit, dem AfD-Kandidaten Siegmund eine rechtsextreme Gesinnung vorzuhalten. Parallel dazu dokumentierten die Grünen in den sozialen Medien, wie sie Interviewversuche des als rechtsextrem eingestuften Compact-Magazins abwehrten. Auch Bundespolitiker warben zuletzt persönlich im Land für die Partei.
Nun sieht sich die Partei selbst mit der Frage konfrontiert, warum die Neonazi-Vergangenheit eines heute hauptamtlichen Parteifunktionärs in ihren eigenen Reihen bislang keine öffentliche Rolle spielte. Ob und wie die Grünen darauf in der verbleibenden Woche vor der Wahl reagieren, bleibt offen.
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