A66-Unfall: TikTok-Trend unter Verdacht
- Bei einem Frontalzusammenstoß auf der A66 in Middlesbrough starben sieben Menschen, darunter zwei Polizisten; die Behörden prüfen, ob ein viraler TikTok-Trend die tödliche
- In beiden Fällen – Middlesbrough und Dublin – hatten Fahrzeuginsassen zuvor Videos von illegalen Hochgeschwindigkeitsfluchten in sozialen Netzwerken geteilt.
- TikTok reagierte weder auf eine irische Parlamentsanfrage noch auf die britische Aufsichtsbehörde; das Unternehmen erklärte lediglich, es lösche regelwidrige Inhalte.
Nach einem Auffahrunfall auf der britischen A66, bei dem sieben Menschen ums Leben kamen, ermitteln die Behörden in Großbritannien und Irland, ob ein viraler Trend auf der Videoplattform TikTok für eine Serie tödlicher Falschfahrten mitverantwortlich ist. Der Unfall ereignete sich gegen zwei Uhr morgens, als ein Volkswagen mit fünf jungen Insassen auf der A66 entgegen der Fahrtrichtung unterwegs war und mit einem korrekt fahrenden Streifenwagen der Cleveland Police zusammenstieß. Zwei der sieben Getöteten waren Polizisten.
Verfolgungsjagd und abgebrochene Polizeiaktion
Laut ersten Ermittlungsergebnissen hatten Beamte der Cleveland Police das Fahrzeug zunächst als verdächtig eingestuft und eine Verfolgung aufgenommen. Aufnahmen der Fahrzeugkameras zeigen, dass die Verfolgungsjagd rund sieben Minuten dauerte. Als der Volkswagen auf die A66 in die falsche Richtung abbog, brachen die Beamten die Verfolgung ab. Die Unabhängige Stelle für polizeiliches Fehlverhalten (IOPC) untersucht nun die genauen Umstände des Zusammenstoßes. Im Zuge der weiteren Ermittlungen wurden zwölf Verdächtige festgenommen.
Muster auch in Irland – parlamentarische Anfrage an TikTok
Der Unfall in Middlesbrough steht nicht allein. Nur wenige Tage zuvor kamen in der Nähe von Dublin fünf junge Menschen ums Leben, nachdem sie ebenfalls auf einer Autobahn entgegen der Fahrtrichtung gefahren waren. Drei Frauen und ein Kind wurden dabei verletzt. In beiden Fällen hatten Insassen der verunglückten Fahrzeuge zuvor in sozialen Netzwerken Videos veröffentlicht, in denen sie mit hoher Geschwindigkeit vor der Polizei flohen – offenbar mit dem Ziel, mehr Follower zu gewinnen, wie aus anfänglichen Ermittlungserkenntnissen hervorgeht.
Eine irische Parlamentskommission hatte TikTok daraufhin aufgefordert, zu erklären, wie das Unternehmen Inhalte entfernt, die "illegales Verhalten im Straßenverkehr glorifizieren". Eine Antwort blieb aus. Der Ausschussvorsitzende Alan Kelly erklärte: "Es sind ernste Zweifel über die Verbreitung von Inhalten aufgetaucht, die gefährliches und illegales Verhalten auf unseren Straßen offenbar verherrlichen. Wir brauchen entschlossenes Handeln seitens der Social-Media-Plattformen." Die britische Aufsichtsbehörde Ofcom hat inzwischen den Plattformen ebenfalls Löschpflichten angedroht.
TikTok: Monitoring, aber kein Kommentar
Ein Sprecher von TikTok lehnte eine Stellungnahme zur parlamentarischen Einladung ab. Das Unternehmen erklärte jedoch, es beobachte Inhalte im Zusammenhang mit den Todesfällen genau und lösche Videos sowie Konten, die gegen seine Nutzungsrichtlinien verstoßen. Auch der irische Medienregulator forderte von TikTok einen vollständigen Bericht über Maßnahmen gegen gefährliche Fahrvideos auf der Plattform.
Der irische Justizminister Jim O'Callaghan richtete eine unmissverständliche Warnung an potenzielle Nachahmer: "Wer absichtlich die falsche Richtung auf einer Autobahn fährt, wird im Gefängnis oder im Grab enden." Ob ein konkreter viraler TikTok-Trend die Unfälle direkt ausgelöst hat, ist bislang nicht belegt – die Ermittlungen laufen in beiden Ländern noch. Die Plattform steht damit erneut unter Druck, ihren Algorithmus auf gefährliche Inhalte hin zu regulieren.
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