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Kriminalität und Justiz 3 min read 1h ago

Lockerbie-Prozess in den USA verschoben

  • Richterin Dabney Friedrich hat die Geschworenen-Auswahl im ersten US-Prozess zum Lockerbie-Anschlag vertagt, nachdem die Verteidigung neue Beweise zur Prüfung erhalten hatte.
  • Angeklagter Abu Agila Mohammad Masud Kheir Al-Marimi soll laut Staatsanwaltschaft die Bombe gebaut haben, die am 21. Dezember 1988 Pan-Am-Flug 103 zum Absturz brachte und 270
  • Opfervertreterin Kara Weipz bezeichnete die Verschiebung als Schock, zeigte jedoch Verständnis und betonte, ihre Organisation erhalte seit fast 38 Jahren auf die Wahrheit über den
Lockerbie-Prozess in den USA verschoben
Lockerbie-Prozess in den USA verschoben

Der erste Strafprozess in den USA wegen des Bombenanschlags auf Pan-Am-Flug 103 ist kurzfristig verschoben worden. US-Bundesrichterin Dabney Friedrich setzte die für Mittwoch geplante Geschworenen-Auswahl aus, nachdem die Verteidigung neue Beweise zur Prüfung erhalten hatte. Zur Art dieser Beweise machte die Richterin keine Angaben.

Der Anschlag vom 21. Dezember 1988

Pan-Am-Flug 103 befand sich mehr als neun Kilometer über der schottischen Stadt Lockerbie, als 38 Minuten nach dem Start in London eine Bombe explodierte. Das Flugzeug war auf dem Weg nach New York. Bei der Katastrophe kamen alle 259 Insassen sowie elf Menschen am Boden ums Leben – insgesamt 270 Todesopfer. Die Trümmer des Flugzeugs zerstörten am Boden einen gesamten Häuserblock. Die meisten der Getöteten waren US-amerikanische Staatsbürger.

Der Angeklagte und die Vorwürfe

Angeklagt ist Abu Agila Mohammad Masud Kheir Al-Marimi, ein ehemaliger Mitarbeiter des libyschen Geheimdienstes. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, die Bombe konstruiert und auf den Weg gebracht zu haben. Laut Anklage arbeitete Marimi von etwa 1973 bis 2011 für den libyschen Geheimdienst und stieg bis zum Rang eines Obersts auf. Die Staatsanwaltschaft behauptet zudem, der Anschlag sei auf Anweisung des libyschen Staatschefs Muammar al-Gaddafi verübt worden, der 2011 im libyschen Bürgerkrieg gestürzt und getötet wurde. Marimi ist heute Mitte 70 und wegen der Zerstörung eines Luftfahrzeugs mit Todesfolge angeklagt; im Falle einer Verurteilung droht ihm eine lebenslange Freiheitsstrafe. Es handelt sich um den ersten Prozess in den USA wegen dieses Terroranschlags.

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Gemischte Reaktionen bei den Angehörigen

Kara Weipz, Vorstandsvorsitzende der gemeinnützigen Opferorganisation "Victims of Pan Am Flight 103" und Schwester des beim Absturz getöteten Richard Monetti, bezeichnete die Verschiebung als Schock. Einige Angehörige hätten bereits ihre Koffer für die Reise zum Prozess gepackt. Zugleich zeigte Weipz Verständnis: "Wenn das der Grund dafür ist, dann ist das eine gute Sache, und diese Verzögerung ist es wert", sagte sie. Man suche seit fast 38 Jahren nach der Wahrheit. Ihre Organisation habe keine Einzelheiten zu den neuen Beweisen erhalten.

Offene Fragen

Was die neuen Beweise konkret beinhalten und wie lange der Aufschub andauert, ist bislang unbekannt. Der Prozess bleibt damit in einer entscheidenden Phase vorerst ausgesetzt – fast vier Jahrzehnte nach dem schwersten Terroranschlag auf einem zivilen Luftfahrzeug, der bis heute Opferfamilien in den USA beschäftigt.

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