Xylit in Kaugummis: Herzrisiko?
- Eine Studie mit 17.710 Teilnehmern, vorgestellt beim ESC-Kongress in München, zeigt eine Assoziation zwischen hohen Xylitwerten im Blut und einem erhöhten Risiko für Herzinfarkt,
- Das Risiko war in der kanadischen Teilstudie innerhalb von sechs Jahren um 57 Prozent erhöht; eine europäische 30-Jahres-Studie ergab ein um 18 Prozent höheres Risiko.
- Die Beobachtungsstudie beweist keine Kausalität – Forscher fordern weitere Untersuchungen und weisen darauf hin, dass Xylit von Behörden weiterhin als sicher gilt.
Zuckerfreie Kaugummis gelten als zahnschonende und kalorienarme Alternative – doch eine neue Studie, die beim Europäischen Kardiologiekongress (ESC) in München vorgestellt wurde, wirft Fragen zu möglichen Herzrisiken des darin enthaltenen Zuckerersatzstoffs Xylit auf. Die Beobachtungsstudie analysierte Daten von insgesamt 17.710 Menschen aus zwei großen Langzeituntersuchungen und wurde von Wissenschaftlern aus Deutschland, Kanada und Großbritannien durchgeführt.
Hohe Xylitwerte mit erhöhtem Risiko assoziiert
Die Auswertung zeigt, dass hohe Xylitwerte im Blut mit einem erhöhten Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und Herz-Kreislauf-Tod in Zusammenhang stehen. In der kanadischen Teilstudie war das Risiko für eines dieser Ereignisse innerhalb von sechs Jahren um 57 Prozent erhöht. Eine europäische Langzeitstudie über 30 Jahre ergab ein um 18 Prozent höheres Risiko. Xylit – auch als Birkenzucker bekannt – ist in zuckerfreien Kaugummis, Bonbons sowie zahlreichen Fitness- und Diätprodukten enthalten.
Hypothese: Beeinflussung der Blutgerinnung
Als möglichen biologischen Mechanismus nennen die Forscher die Blutgerinnung. Studienautor Dr. Marco Witkowski von der Charité Berlin verweist auf frühere Untersuchungen, denen zufolge Xylit die Bildung von Blutgerinnseln fördern könne. Kardiologin Prof. Christina Magnussen vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf erläuterte, es gebe Hinweise darauf, dass Xylit die Blutplättchen aktiver mache. "Dadurch können sich leichter Blutgerinnsel bilden, die Herzinfarkte oder Schlaganfälle auslösen können", sagte Magnussen. Solche Gerinnsel gelten als häufiger direkter Auslöser dieser Ereignisse.
Kein Kausalitätsbeweis – Studie hat klare Grenzen
Entscheidend ist, was die Studie nicht leistet: Als Beobachtungsstudie kann sie keine Ursache-Wirkungs-Beziehung belegen. Prof. Magnussen betonte ausdrücklich, dass die Forscher zwar einen Zusammenhang zwischen hohen Xylitwerten und Herz-Kreislauf-Erkrankungen gefunden hätten, jedoch nicht sicher sagen könnten, ob Xylit tatsächlich deren Ursache sei. Als alternative Erklärung gilt, dass Menschen mit bestimmten Stoffwechselstörungen zufällig sowohl höhere Xylitwerte als auch ein erhöhtes Herzrisiko aufweisen könnten. Dr. Witkowski betont zudem, dass Xylit von den zuständigen Behörden nach wie vor als sicher eingestuft werde. Ähnliche Fragen zu ernährungsbedingten Gesundheitsrisiken diskutiert die Forschung auch bei anderen Lebensmittelinhaltsstoffen – so zeigen etwa Studien zu ultra-verarbeiteten Lebensmitteln ebenfalls Zusammenhänge mit erhöhten Krankheitsrisiken, ohne stets eindeutige Kausalität nachzuweisen.
Forscher fordern weitere Untersuchungen
Dr. Witkowski ordnet die Ergebnisse ein: "Unsere Langzeitdaten aus der Allgemeinbevölkerung zeigen, wie wenig wir bislang über die Auswirkungen von Xylit auf Herz und Gefäße wissen. Deshalb sind weitere Studien dringend notwendig, zumal immer mehr Lebensmittel Xylit enthalten." Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt, den Konsum freier Zucker auf nicht mehr als etwa 50 Gramm täglich zu beschränken – ein Richtwert, der laut Forschern analog auch für Zuckerersatzstoffe als Orientierung dienen kann. Weder Zucker noch Süßungsmittel sollten in großen Mengen konsumiert werden, lautet das übergreifende Fazit.
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