US-Kolumbien-Militärallianz zielt auf Pazifik-Drogenboote und Ecuadors Grenze
SOUTHCOM-General Francis Donovan besuchte Kolumbien und Ecuador, um eine gemeinsame Agenda zur Bekämpfung des Drogenhandels zu formalisieren, die Pazifiküberwachung, Grenzoperationen und den Aufbau militärischer Kapazitäten umfasst.
Verfasst von Thomas Richter
(vor 2 Std.)

Was ist passiert?
SOUTHCOM-General Francis Donovan besuchte Kolumbien und Ecuador, um mit Verteidigungsminister Jorge Mora eine gemeinsame Antidrogen-Agenda zu formalisieren.
Warum es wichtig ist
Die Kooperation gibt De la Espriella Zugang zum US-Militärapparat gegen rund 30 bewaffnete Gruppen, öffnet aber auch den Weg für Trumps Drogenpolitik in der Region.
Zwei Wochen nach dem Beitritt Kolumbiens zu Trumps Antidrogen-Koalition "Shield of the Americas" hat der Kommandeur des US Southern Command (SOUTHCOM), General Francis L. Donovan, Kolumbien und Ecuador besucht, um eine gemeinsame Sicherheitsagenda zu konkretisieren. Donovan traf vergangene Woche in Bogotá mit Verteidigungsminister Jorge Mora zusammen und reiste anschließend in die Pazifikstadt Tumaco sowie zur ecuadorianischen Grenzstadt San Lorenzo.
Tumaco: Radare gegen Drogenboote
Tumaco, einer der wichtigsten maritimen Ausgangspunkte für den Drogenhandel an der kolumbianischen Pazifikküste, stand im Mittelpunkt der operativen Gespräche. Laut einem Bericht der kolumbianischen Zeitung El Tiempo wurde erörtert, Radaranlagen dorthin zu verlegen, um Halbunterseeboote und Schnellboote frühzeitig zu erfassen. "Die Aufstellung solcher Systeme in Tumaco würde es ermöglichen, Bewegungen von Semi-Tauchbooten und Schnellbooten aus einem Abfahrtsgebiet für Drogenlieferungen zu verfolgen und kolumbianische Einheiten mit Informationen zu versorgen", zitierte die Zeitung eine anonyme Quelle. In der Region sind mehrere bewaffnete Gruppen aktiv, darunter die ELN, den Golfo-Clan und FARC-Dissidenten — allesamt von Washington als Terrororganisationen eingestuft.
Trinationales Treffen in Ecuador
In San Lorenzo nahm Donovan an einem Dreiertreffen teil, an dem auch Ecuadors Verteidigungsminister Gian Carlo Loffredo beteiligt war. Die Länder einigten sich auf eine stärkere Militärpräsenz im Grenzgebiet und eine vertieftere Geheimdienstkooperation. SOUTHCOM erklärte auf X, dass "führende Vertreter der Americas Counter Cartel Coalition gemeinsam mit Eliteeinheiten im Herzen dieser Region eine gemeinsame Strategie zur Bekämpfung der Kartelle" geschärft hätten. Die ecuadorianische Zeitung Expreso berichtete zudem, dass bei dem Treffen die Einrichtung eines gemeinsamen binationalen Militärstützpunktes zwischen Kolumbien und Ecuador diskutiert worden sei.
Umstrittene US-Schläge gegen Drogenboote
Die maritime Überwachung ist eingebettet in eine bereits laufende US-Kampagne: In den vergangenen zwölf Monaten starteten die USA laut einer aktualisierten Zählung der New York Times 68 Angriffe auf mutmaßliche Drogenboote im Pazifik und der Karibik, bei denen 227 Menschen ums Leben kamen. Menschenrechtsorganisationen bezeichnen diese Einsätze als "außergerichtliche Hinrichtungen". Der jüngste Angriff ereignete sich demnach am 26. August in der Karibik und tötete vier Besatzungsmitglieder. Trump wertet die Angriffe als eine der wirksamsten Maßnahmen gegen den regionalen Drogenhandel.
Neue kolumbianische Regierung setzt auf US-Nähe
Kolumbiens Präsident Abelardo de la Espriella, der vor weniger als einem Monat sein Amt antrat, hat die Militärkooperation mit Washington und Quito zur Priorität erklärt. Damit kehrt Bogotá zum engen Schulterschluss mit den USA zurück, der während der Regierung von Gustavo Petro stark belastet worden war. US-Verteidigungsminister Pete Hegseth erklärte, Bogotá habe gemeinsame Militäroperationen auf kolumbianischem Boden genehmigt — eine Angabe, die von kolumbianischen Behörden bislang nicht bestätigt wurde. Kolumbien ist der weltgrößte Kokainproduzent; die USA sind der weltgrößte Konsument. Käme das Kooperationspaket vollständig in Kraft, würde De la Espriella Zugang zum US-Militärapparat erhalten, um rund 30 bewaffnete Gruppen mit mehr als 20.000 Mitgliedern zu bekämpfen. SOUTHCOM meldete parallel dazu eine gemeinsame Operation mit der kolumbianischen Luftwaffe, bei der 4,5 Tonnen Kokain, fünf Boote und acht Festnahmen erzielt wurden. Donovan beendete seinen Besuch auf dem Militärstützpunkt Tolemaida, wo auch die Modernisierung der maroden Luftflotte besprochen wurde — laut Angaben der Übergangsregierung sind derzeit 11 der 19 MI-17-Hubschrauber der Streitkräfte nicht einsatzbereit.
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Quelle: El País