Zu Unrecht Inhaftierter aus Rio de Janeiro gründet Institut für Justizopfer
Fünf Jahre nach seiner Freilassung hat der brasilianische Kulturproduzent Ângelo Gustavo Pereira Nobre das Institut "Gustavo Nobre – Justiça para os Inocentes" gegründet. Nobre saß in Rio de Janeiro fast ein Jahr unschuldig in Haft, nachdem er anhand eines Social-Media-Fotos identifiziert worden war.
Verfasst von Thomas Richter
(vor 1 Std.)

Was ist passiert?
Ângelo Gustavo Pereira Nobre hat am fünften Jahrestag seiner Freilassung das Institut "Gustavo Nobre – Justiça para os Inocentes" in Rio de Janeiro gegründet, das Justizopfer kostenlos unterstützt.
Warum es wichtig ist
Laut der Defensoria Pública do Rio sind 83 Prozent der durch Fotowiedererkennung zu Unrecht Inhaftierten in Brasilien jung, arm und schwarz – wie Nobre selbst.
Ângelo Gustavo Pereira Nobre, bekannt als Gugu, hat am 31. August – dem fünften Jahrestag seiner Freilassung – das Instituto Gustavo Nobre – Justiça para os Inocentes in Rio de Janeiro ins Leben gerufen. Das Institut soll Opfer von Justizirrtümern und ihre Angehörigen kostenlos unterstützen, wie Nobre gegenüber G1 Globo erklärte.
Nobre war fast ein Jahr lang unschuldig in Haft. Laut dem Bericht war er zum Zeitpunkt der Tat in einer Kirche – er erholte sich gerade von einer Lungenoperation und war nach Angaben seiner Tante Cássia Lima nicht in der Lage, allein zu laufen. Dennoch wurde er nie im Laufe der Ermittlungen angehört. Identifiziert wurde er anhand eines Fotos aus sozialen Netzwerken, das im Rahmen einer eigenständig von der Verbrechensopfer durchgeführten Parallelermittlung gefunden wurde.
83 Prozent der Betroffenen jung, arm und schwarz
Eine Erhebung der Defensoria Pública do Rio de Janeiro und des nationalen Verbands der Pflichtverteidiger ergab, dass 83 Prozent der durch Fotowiedererkennung zu Unrecht Inhaftierten in Brasilien jung, arm und schwarz sind – wie Nobre selbst. Die Polícia Civil erklärte seinerzeit, Nobre sei in Vollstreckung eines gerichtlichen Haftbefehls festgenommen worden. Nach Bekanntwerden des Falls empfahl die Behörde ihren Ermittlern, Fotowiedererkennung nicht mehr als alleinige Beweisgrundlage für Haftbefehle zu verwenden.
Nobre sagte gegenüber G1 Globo, er habe sich zunächst Zeit genommen, um bürokratische Hürden zu überwinden und seine psychische Gesundheit zu stabilisieren, bevor er das Institut eröffnete. "Es geht darum, diesen Schmerz in einen Zweck zu verwandeln – es ist eine Lebensaufgabe. Heute verzichte ich auf alles, um das Institut zu leben, damit kein junger Mensch das erleiden muss, was ich erlitten habe", sagte er.
Kostenlose Dienstleistungen durch Ehrenamtliche
Das Institut bietet nach Angaben von G1 Globo vier kostenlose Leistungen an, die von Ehrenamtlichen erbracht werden: juristische Beratung per Online-Sprechstunde, persönliche und berufliche Qualifizierung durch Kurse und Workshops, Wiederherstellung des öffentlichen Ansehens durch Pressearbeit sowie Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt mithilfe eines Personaldienstleisters. Für die breite Öffentlichkeit sollen zudem Kurse, Workshops und Vorträge angeboten werden.
Zur Ankündigung veröffentlichte Nobre ein Video in sozialen Netzwerken, in dem er Freunde und Prominente zu Wort kommen ließ, die ihn während der Haft unterstützt hatten, darunter Rafael Zulu, Regina Cazé und Raphael Logam. Roberta Rodriges lud er ein, Botschafterin des Projekts zu werden. Nobre ist Träger der Medalha Tiradentes, einer Auszeichnung der Staatsversammlung von Rio de Janeiro (Alerj).
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Quelle: G1 Globo