Ukraine feiert Unabhängigkeit: Selenskyj schließt Kapitulation aus
- Präsident Selenskyj erklärte am ukrainischen Unabhängigkeitstag in Kiew, eine Kapitulation komme für die Ukraine nicht in Frage.
- Großbritannien erlaubt der Ukraine künftig die Eigenproduktion von Teilen des Marschflugkörpers Storm Shadow; Premier Burnham leitete erstmals die Sitzung der Koalition der
- Die EU sagte weitere 6,1 Milliarden Euro Finanzhilfe zu, während Russland in Pawlohrad einen Angriff verübte, bei dem ein Mensch getötet und zwei verletzt wurden.
Inmitten des andauernden russischen Angriffskriegs hat die Ukraine ihren Unabhängigkeitstag begangen. Staatspräsident Wolodymyr Selenskyj empfing ausländische Gäste auf dem Platz vor der Sophien-Kathedrale im Zentrum Kiews und ehrte dabei Soldaten sowie freiwillige Helfer der Armee – einige von ihnen posthum. Seine Botschaft war unmissverständlich: Eine Kapitulation komme nicht in Frage.
Selenskyj: "Die Ukrainer werden sich nicht unterwerfen"
In seiner Rede erklärte Selenskyj, die ukrainische Unabhängigkeit sei aus einem Traum von Freiheit entstanden – dem Traum, das eigene Leben zu gestalten und dafür zu sorgen, dass die eigenen Kinder nicht "der Asphalt unter jemandes Stiefeln, unter jemandes Panzern, unter jemandes Imperium" seien. Der Krieg habe die Kraft und Standhaftigkeit des ukrainischen Volkes bewiesen. Großveranstaltungen waren wegen der anhaltenden Gefahr durch Luftangriffe nicht geplant. Zentrales öffentliches Ereignis in Kiew war ein Galakonzert am frühen Abend in der Oper; landesweit fanden kleinere Veranstaltungen statt, darunter Handwerkermärkte und Marathonläufe. Arbeitsfreie Feiertage sind in der Ukraine seit Kriegsbeginn abgeschafft, weshalb viele Bürger auch an diesem Tag arbeiten mussten.
Burnhams Premiere: Erste Auslandsreise und Leitung der "Koalition der Willigen"
Für den britischen Premierminister Andy Burnham war der Besuch in Kiew die erste Auslandsreise seit seinem Amtsantritt. Von dort aus leitete er erstmals gemeinsam mit Bundeskanzler Friedrich Merz und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron eine Sitzung der sogenannten "Koalition der Willigen", des Bündnisses westlicher Unterstützerstaaten. Burnham dankte der Ukraine im Vorfeld für ihren Kampf: Die Ukrainer verteidigten nicht nur sich selbst gegen Russland, sondern ganz Europa. In seiner Rede erklärte er, entschlossen zu sein, gemeinsam die notwendige Unterstützung zu liefern – und nannte dabei neben Luftverteidigung ausdrücklich auch Sanktionen, die russische militärische Lieferketten unterbrechen sollen. Burnhams Kiew-Besuch und das britische Engagement für die Ukraine markieren damit einen frühen Akzent seiner Außenpolitik.
Luftverteidigung: Kritische Lücken und neue Hoffnungen
Beim Treffen der "Koalition der Willigen" stand laut Selenskyj vor allem das Thema Flugabwehr im Mittelpunkt. Die Ukraine ist russischen ballistischen Raketen derzeit weitgehend schutzlos ausgeliefert: Als wirksam hat sich bislang einzig das US-amerikanische Patriot-System erwiesen, dessen Abfangraketen weltweit jedoch kaum verfügbar sind. Die Ukraine hofft, dass das französisch-italienische System SAMP/T durch eine verbesserte Radareinheit künftig ebenfalls in der Lage sein wird, ballistische Raketen abzufangen. Parallel versucht Kiew, russische Abschussvorrichtungen für ballistische Raketen mit Marschflugkörpern und Drohnen zu zerstören. In diesem Zusammenhang gab Burnham in der Videokonferenz bekannt, dass Großbritannien der Ukraine künftig erlauben werde, selbst Teile für den britisch-französischen Marschflugkörper vom Typ "Storm Shadow" herzustellen.
EU-Finanzhilfe und russische Angriffe am Feiertag
Die Europäische Union sagte der Ukraine am selben Tag weitere Finanzhilfen in Höhe von 6,1 Milliarden Euro zu. Diese Mittel sind Bestandteil eines 90-Milliarden-Euro-Pakets, das die Ukraine in diesem und im kommenden Jahr von den EU-Staaten erhalten soll. Während der Feierlichkeiten blieb Kiew von Luftalarm verschont. Russland griff jedoch andere Landesteile an: In Pawlohrad in der Region Dnipropetrowsk wurde bei einem russischen Angriff nach Behördenangaben eine Person getötet und zwei weitere verletzt. Die fortgesetzte militärische Bedrohung unterstreicht, unter welchen Bedingungen die Ukraine ihren Nationalfeiertag begeht – und wie zentral die Frage der westlichen Rüstungsunterstützung für Kiews Durchhaltefähigkeit bleibt.