Platzsturm und Schlägerei in Kolumbien
- Beim kolumbianischen Erstliga-Spiel Santa Fe gegen America de Cali stürmten Fans in der 33. Minute das Spielfeld; ein mutmaßlicher Fahnendiebstahl soll die Eskalation ausgelöst
- Torhüter Jean Fernandes lag verletzt am Boden, als ein Eindringling ihm aus nächster Nähe den Ball ins Gesicht schoss – Fernandes veröffentlichte das Video selbst in sozialen
- Nach 50-minütiger Unterbrechung und Polizeieinsatz mit Tränengas haben Behörden in Bogotá Ermittlungen aufgenommen; das Spiel wurde fortgesetzt und endete 0:0.
Beim Erstliga-Spiel zwischen Santa Fe und America de Cali in Kolumbien ist es am Samstag zu schweren Ausschreitungen gekommen. In der 33. Spielminute stürmten Teile der Zuschauer das Spielfeld, nachdem es auf den Tribünen bereits zu Schlägereien zwischen Anhängern beider Mannschaften gekommen war – nur einen Tag, nachdem ähnliche Szenen beim DFB-Pokalspiel zwischen Waldhof Mannheim und dem 1. FC Kaiserslautern für Entsetzen gesorgt hatten.
Auslöser: mutmaßlicher Fahnendiebstahl
Nach übereinstimmenden Berichten soll ein Fahnendiebstahl den Platzsturm ausgelöst haben. Bereits zuvor hatten Anhänger beider Lager auf den Rängen mit Stühlen und anderen Gegenständen aufeinander eingeschlagen. Als die Eskalation auf das Spielfeld übergriff, schickte der Schiedsrichter beide Teams in die Kabinen.
Torhüter am Boden angegriffen
Besonders schwerwiegend: America de Calis Torhüter Jean Fernandes lag zu diesem Zeitpunkt verletzt auf dem Rasen und wurde medizinisch versorgt. Ein auf das Feld gestürmter Fan schoss ihm aus kürzester Distanz den Ball ins Gesicht. Fernandes veröffentlichte anschließend ein Video des Vorfalls in den sozialen Medien und schilderte: "Das ist der Moment, in dem ich am Boden liege und der Fan, der das Spielfeld betreten hat, mir gegen den Kopf tritt."
Polizei mit Tränengas – 50 Minuten Unterbrechung
Ultras beider Seiten gingen auf dem Rasen mit Stühlen, Stöcken und weiteren Gegenständen aufeinander los. Die Polizei rückte auf das Spielfeld vor und setzte Tränengas ein, um die Massenschlägerei aufzulösen. Nach einer Unterbrechung von 50 Minuten wurde die Partie fortgesetzt und endete 0:0.
Trainer González: "Wir sind eine Schande"
America-de-Cali-Trainer David González fand nach dem Abpfiff deutliche Worte: "Ja, das ist eine absolute Schande. Wir als Volk halten eines Tages zusammen, und am nächsten zerstören wir jede Form von Zusammenhalt und jedes Bündnis, das existiert. Wir sind eine Schande. Was man heute auf dem Spielfeld gesehen hat, war wie eine Rückkehr zu den Geschichtsbüchern, die wir in der Schule gelesen haben: zu den Kriegen zwischen den Spaniern und den Ureinwohnern. Nur sind es heute keine Schwerter mehr, sondern Messer."
Lokalen Medienberichten zufolge haben Behörden in Bogotá Ermittlungen zu den Vorfällen aufgenommen. Angaben zu möglichen Festnahmen oder sportrechtlichen Konsequenzen für die beteiligten Klubs lagen zunächst nicht vor.