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Nepal-Flut: 626 Tote, 2426 Vermisste

  • Die Zahl der Todesopfer in Nepal stieg vier Tage nach der Himalaya-Sturzflut auf 626, während 2426 Menschen noch vermisst werden.
  • Der Geschäftsmann Rishi Pyakurel aus dem Dorf Gerkhu berichtet, über 140 Nachbarn verloren zu haben; seine eigene Familie zählt noch zu den Vermissten.
  • Behörden warnen vor einer weiteren Flutwelle durch den drohenden Überlauf des Subrubisi Lake auf chinesischer Seite, woraufhin viele Familien in höher gelegene Gebiete fliehen.
Nepal-Flut: 626 Tote, 2426 Vermisste

Vier Tage nach der verheerenden Sturzflut im Himalaya wächst das Ausmaß der Katastrophe weiter: In Nepal stieg die Zahl der bestätigten Todesopfer bis Samstagmorgen auf 626. Die Katastrophenschutzbehörde des Landes meldet zudem 2426 Menschen als vermisst. Auf chinesischer Seite, in Tibet, wurden bislang sieben Tote und 554 Vermisste registriert.

"Es ist niemand mehr zum Weinen da"

Rishi Pyakurel (50), Geschäftsmann aus dem Dorf Gerkhu im Bidur-Distrikt und eine Art inoffizieller Bürgermeister seiner Gemeinde, telefoniert seit Tagen nahezu ununterbrochen mit der Polizei. Er versucht, Vermisste über ihre Mobiltelefone zu orten – darunter seine eigene Schwester, deren Mann, ihr Sohn und dessen Ehefrau. Sie alle lebten in Trishuli Bazar, einem der am schwersten betroffenen Orte. "Ich habe über 140 meiner Leute im Dorf verloren", sagt Pyakurel. Die Flutwelle habe nicht nur Häuser zerstört, sondern ganze Familien ausgelöscht: "Es ist niemand mehr zum Weinen da."

Am Ufer des Trishuli-Flusses lägen nach seinen Angaben noch immer Leichen. "Überall riecht es nach Verwesung." Viele Tote seien bislang nicht geborgen worden. Die Armee setzt derzeit Hubschrauber ein, um Verletzte und Überlebende aus den Katastrophengebieten zu evakuieren; die Bergung von Toten hat nach Angaben aus der Bevölkerung derzeit keine Priorität. Anhaltend starker Regen erschwert die Rettungsflüge zusätzlich.

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Warnungen verhallten – manche filmten die steigende Flut

Pyakurel zufolge hatte es Vorwarnungen gegeben. Dennoch hätten viele Bewohner zunächst versucht, Hab und Gut zu sichern oder Wertsachen mitzunehmen, anstatt sofort zu fliehen. "Es wurde vor der Sturzflut gewarnt, doch viele Menschen haben erstmal Sachen gepackt, ihre Wertsachen geholt und wurden dann in den Tod mitgerissen", sagt er. Andere hätten die Gefahr schlicht unterschätzt: Während der Pegel stieg, machten Schaulustige noch Fotos und Selfies. Nach Pyakurels Erinnerung türmten sich die Wassermassen stellenweise 20 bis 30 Meter über dem Flussbett auf.

Neue Flutwelle droht: Familien fliehen in die Berge

Die Behörden warnen inzwischen vor einer weiteren Gefahr: Der Subrubisi Lake auf chinesischer Seite droht überzulaufen. Der See liegt rund zweieinhalb Autostunden von Trishuli entfernt. Aus Angst verlassen viele Familien ihre Häuser und suchen Schutz in höher gelegenen Gebieten – auf Bergkuppen, an Straßenrändern, in Wäldern oberhalb der Täler.

Zu den Geflüchteten gehört der Tierarzt Dr. Rajchardan Rey (32), der nach einer Behördenwarnung gemeinsam mit seiner 28-jährigen Frau und seiner dreijährigen Tochter auf einem Moped in die Berge aufgebrochen ist. "Wir sind heute nach der Warnung sofort los", sagt Rey. "Wir haben nur eine Decke und einen kleinen Rucksack dabei. Wir wissen nicht, wo wir die Nacht verbringen sollen." Besondere Sorgen bereitet ihm die Versorgung seiner Tochter: "Es fehlt Essen, es fehlt Trinken. Wir bekommen hier keine Hilfe. Unsere Tochter muss essen, aber wir haben nichts – wie alle anderen auch."

Ungewisse Lage, wachsende Verzweiflung

Während Einsatzkräfte weiterhin nach Überlebenden suchen und Angehörige Vermisstenlisten durchgehen, ist das Schicksal Tausender Menschen noch ungeklärt. Ob der drohende Überlauf des Subrubisi Lake eine zweite Flutwelle auslösen wird, blieb zunächst offen. Für viele Betroffene geht es inzwischen allein noch um die Hoffnung, Gewissheit über das Schicksal ihrer Angehörigen zu erhalten.

Themen

Humanitäre KriseKatastrophenschutzNepal-Überschwemmungen

Personen

Rishi PyakurelDr. Rajchardan Rey

Orte

NepalTrishuli BazarTibet
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