Kindertransport-Zeitzeugin kehrt zum Wiener Abschiedsbahnhof zurück
- Gabriele Keenaghan aus North Shields wurde im April 1939 als Zwölfjährige am Wiener Westbahnhof von ihrer Großmutter getrennt und per Kindertransport nach Großbritannien gebracht.
- Die heute über Hundertjährige erinnert sich, dass Weinen beim Abschied verboten war und Nazis in schwarzen Uniformen auf dem Bahnsteig standen.
- Keenaghan bereitet sich nun auf einen Besuch am historischen Abschiedsort vor und rechnet damit, dabei emotional berührt zu sein.
Gabriele Keenaghan aus North Shields ist über hundert Jahre alt und bereitet sich darauf vor, den Ort ihrer Kindheitstrennung zum ersten Mal wieder zu besuchen: den Wiener Westbahnhof, von dem sie im April 1939 als Zwölfjährige im Rahmen des Kindertransports nach Großbritannien abreiste.
Abschied unter den Augen der Wachmannschaften
An jenem Apriltag 1939 verabschiedete Keenaghan sich am Bahnsteig von ihrer Großmutter. Weinen war streng verboten. "Ich war ängstlich und besorgt, weil Nazis in schwarzen Uniformen auf dem Bahnsteig standen", schilderte sie die Szene. "Ich war erst zwölf Jahre alt, also fand ich sie einschüchternd … erschreckend." Die Begegnung mit den uniformierten Männern habe sich tief in ihr Gedächtnis eingegraben.
Rückkehr nach mehr als acht Jahrzehnten
Nun plant die Hundertjährige, die Station erneut aufzusuchen, an der sich ihr Schicksal entschied. Über die bevorstehende Reise sagte sie: "Ich werde wahrscheinlich emotional sein." Nähere Angaben zum genauen Zeitpunkt oder zu Begleitpersonen liegen aus dem vorliegenden Material nicht vor. Die geplante Rückkehr steht sinnbildlich für das Bemühen, die Erinnerung an den Kindertransport – jenes humanitäre Rettungsprogramm, das zwischen 1938 und 1940 rund zehntausend überwiegend jüdische Kinder aus dem nationalsozialistischen Einflussgebiet nach Großbritannien brachte – wachzuhalten, solange Zeitzeugen noch berichten können.