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Technologie 6 min read 1h ago

Chrome entfernt letzte MV2-Extensions

  • MV2-Erweiterungen laufen seit Chrome 138 (Juli 2025) nicht mehr auf aktuellem Chrome – der 31. August 2026 markiert lediglich die Entfernung verbliebener Store-Einträge.
  • uBlock Origin in seiner ursprünglichen Form ist auf Chrome nicht mehr ausführbar; uBlock Origin Lite (MV3) existiert als weniger leistungsfähiger Ersatz, während das vollständige
  • Microsoft kündigte am 7. August 2026 an, MV2 in Edge schrittweise abzuschalten und den Übergang für Privatkunden bis Ende 2026 abzuschließen.
Chrome entfernt letzte MV2-Extensions

Am 31. August 2026 entfernt der Chrome Web Store die verbliebenen Einträge von Manifest-V2-Erweiterungen. Was zahlreiche Medien als den Tag beschreiben, an dem Chrome seine Extensions "tötet", ist in Wirklichkeit eine administrative Aufräumaktion: Das eigentliche Abschalten von MV2 ist längst Geschichte.

Der echte Abschalttag liegt mehr als ein Jahr zurück

Mit Chrome 138, das im Juli 2025 veröffentlicht wurde, deaktivierte Google Manifest V2 endgültig für alle Nutzer auf allen Kanälen. Die manuelle Reaktivierungsoption entfiel mit derselben Version. Die darauffolgende Version Chrome 139 strich zudem die Unternehmensrichtlinie, die MV2 auf verwalteten Geräten noch hatte am Leben erhalten können. Seitdem existiert kein unterstützter Weg mehr – weder ein Schalter, noch ein Flag, noch eine Administratoreinstellung –, um eine MV2-Erweiterung in Chrome auszuführen. Wer in einem aktuellen Chrome eine funktionierende Erweiterung betreibt, nutzt bereits Manifest V3.

Der 31. August ändert daran nichts. Google entfernt an diesem Datum lediglich die verbliebenen MV2-Einträge aus dem Chrome Web Store. Erweiterungen, die auf älteren Chrome-Versionen (138 und früher) oder auf Chromium-Forks installiert sind, bleiben zwar installiert, erhalten jedoch keine Updates mehr und können nach der Entfernung nicht erneut aus dem Store bezogen werden. Die hohen Nutzerzahlen, die manche MV2-Einträge noch ausweisen, spiegeln überwiegend Installationen auf veralteten oder nicht standardmäßig konfigurierten Systemen wider, nicht aktive Nutzer auf aktuellem Chrome.

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Drei technische Kerngründe für die Migration

Google begründete den Wechsel zu Manifest V3 mit drei strukturellen Änderungen. Erstens: Remotely ausgeführter Code ist verboten. Unter MV2 konnten Erweiterungen zur Laufzeit Code von externen Servern laden und ausführen, ohne dass dieser Code jemals von Google geprüft worden wäre. MV3 schreibt vor, dass sämtliche ausführbare Logik im geprüften Erweiterungspaket enthalten sein muss. Das beseitigt ein reales Sicherheitsrisiko, weil das geprüfte und das tatsächlich laufende Artefakt fortan identisch sind.

Zweitens: Die blockierende webRequest-API wurde durch declarativeNetRequest ersetzt. Statt dass eine Erweiterung eigenen JavaScript-Code für jede Netzwerkanfrage ausführt und dabei sämtliche besuchten URLs sieht, übergibt sie dem Browser einen statischen Regelsatz, der intern durchgesetzt wird. Google argumentiert mit verbesserter Privatsphäre und Performance. Der Einwand der Kritiker ist berechtigt: Deklarative Regeln sind ausdrucksschwächer als vollwertiger Code. Dynamische, kontextabhängige Filterlogik lässt sich nicht vollständig in Regelmengen abbilden, ungeachtet der mehrfach angehobenen Regelobergrenzen. Dass ausgerechnet das Unternehmen, dessen Kerngeschäft Werbung ist, den Nutzern erklärt, ihr Werbeblocker müsse aus Datenschutzgründen weniger leistungsfähig werden, bleibt ein ungelöstes Glaubwürdigkeitsproblem.

Drittens: Der persistente Hintergrundprozess wurde durch einen ereignisgesteuerten Service Worker ersetzt, der nach etwa 30 Sekunden Inaktivität beendet wird. Das reduziert den Speicherverbrauch, erzwang aber umfangreiche Neuimplementierungen bestehender Erweiterungen.

uBlock Origin: Was bleibt, was entfällt

Die meistgestellte Frage betrifft uBlock Origin. Raymond Hills Original – aufgebaut auf der blockierenden webRequest-API – läuft seit dem Chrome-138-Update nicht mehr auf Chrome. Hill hat unter dem Namen uBlock Origin Lite (uBOL) eine MV3-Version veröffentlicht, die auf vorcompilierten statischen Regelwerken basiert. Für die meisten Nutzer auf den meisten Websites blockiert uBOL die meisten Werbeanzeigen. Hill selbst hat nie bestritten, dass uBOL gegenüber dem Original weniger leistungsfähig ist: Dynamische Filterentscheidungen, fortgeschrittene kosmetische Filterung und unmittelbare Reaktionen auf neue Anti-Adblock-Mechanismen sind eingeschränkt oder nicht möglich.

Das vollständige uBlock Origin ist nicht verschwunden. Firefox hat die blockierende webRequest-API behalten und lässt die ungekürzte Version unverändert laufen. Mozilla hat sich nach eigenen Angaben verpflichtet, beide Manifest-Versionen und die blockierende API beizubehalten. Brave wiederum implementiert seine Werbe- und Tracker-Blockierung nativ im Browser-Netzwerk-Stack auf Basis einer Rust-Engine und ist von den Extension-Regeln des Manifest V3 nicht betroffen.

Microsoft Edge: Aufschub, kein Ausweg mehr

Edge galt zeitweise als Ausweichoption, weil Microsoft keinen verbindlichen Abschaltzeitpunkt für MV2 benannt hatte. Das hat sich geändert: Am 7. August 2026 kündigte Microsoft an, ab August 2026 den Übergang für Privatkunden einzuleiten – zunächst mit Hinweisbannern und der Deaktivierung auf den Canary-, Dev- und Beta-Kanälen, dann mit einer Ausweitung auf den Stable-Kanal. Der Abschluss der Umstellung für Privatkunden ist für Ende 2026 geplant; verwaltete Unternehmensgeräte folgen im Frühjahr 2027. Edge ist damit ein Aufschub, keine dauerhafte Alternative. Firefox bleibt die einzige der großen Browser-Plattformen, die das vollständige MV2-Ökosystem ohne Verfallsdatum unterstützt.

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