Bergführer-Angriff am Großglockner
- Ein österreichischer Bergführer griff auf dem Mürztaler Steig am Großglockner einen polnischen Alpinisten auf 3000 Metern Höhe körperlich an und drückte ihn nahe an den Abgrund.
- Der Kalser Berg- und Skiführerverein bezeichnete das Verhalten als inakzeptabel und schloss weitere Auftragsvermittlungen an den Mann aus.
- Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln gegen den Bergführer wegen Gefährdung der körperlichen Sicherheit – bis zu drei Monate Haft drohen.
Auf dem Mürztaler Steig am Großglockner, Österreichs höchstem Berg, ist es zu einem gefährlichen körperlichen Angriff auf einem wenige Zentimeter breiten Hochgebirgsgrat in rund 3000 Metern Höhe gekommen. Ein österreichischer Bergführer aus der Steiermark soll einen 42-jährigen polnischen Alpinisten namens Patryk attackiert, ihn an den Armen gepackt und auf den Abgrund zugedrückt haben. Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln gegen den Mann wegen des Verdachts der Gefährdung der körperlichen Sicherheit. Ihm drohen bis zu drei Monate Gefängnis.
Streit auf lebensbedrohlichem Grat
Patryk stieg gemeinsam mit seiner Ehefrau von der Erzherzog-Johann-Hütte ab, als der österreichische Bergführer die beiden überholte. Patryk grüßte mit einem "Servus", erhielt jedoch keine Antwort. Als der Bergführer sich wortlos an der Frau vorbeidrängte und sich in die Stahlseilsicherung einhakte, protestierte Patryk. Der Österreicher soll mit den Worten "Ich bin Bergführer, halt dein Maul!" reagiert haben. Ein Wortgefecht folgte. Laut Patryks Schilderung drohte der Mann anschließend: "Halt dein Maul, sonst komm' ich rauf und geb dir eine!" Als Patryk rief, es entstehe Stau, weil er als Erster absteigen wollte, soll der Bergführer vollends die Kontrolle verloren haben: Er drängte die Ehefrau an die Bergwand und griff Patryk körperlich an, packte ihn an den Armen und drückte ihn Zentimeter an den Abgrund heran. Zwei weitere Bergsteiger, die offenbar zur Gruppe des Bergführers gehörten, waren Zeugen der Szene.
Helmkamera-Video und öffentliche Reaktion
Die gesamte Auseinandersetzung wurde von Patryks Helmkamera aufgezeichnet. Er lud das Videomaterial auf Instagram hoch und kommentierte: "Das Überholen anderer Wanderer oder Kletterer in den Bergen ist völlig normal und verständlich. Allerdings würde ich von einem professionellen Bergführer erwarten, dass er grundlegende Höflichkeit, ein gutes Urteilsvermögen und vor allem Verantwortung für die Sicherheit aller Menschen in seiner Umgebung an den Tag legt." Der Kalser Berg- und Skiführerverein distanzierte sich umgehend. Vereinschef Michael Amraser bezeichnete das Verhalten als "katastrophal und absolut inakzeptabel". Der Verein habe dem Mann zwar den Auftrag vermittelt, er sei jedoch kein Vereinsmitglied. Künftig werde ihm kein Auftrag mehr vermittelt. Beim polnischen Alpinisten habe man sich bereits entschuldigt.
Ermittlungen trotz fehlender Anzeige
Patryk erklärte auf Nachfrage, er habe den Mann selbst nicht bei der Polizei angezeigt. Dennoch ermitteln Polizei und Staatsanwaltschaft von Amts wegen gegen den Bergführer. Der Name des Beschuldigten wurde nicht veröffentlicht. Das Verfahren ist zum Zeitpunkt der Berichterstattung offen. Der Vorfall zeigt exemplarisch, welche lebensbedrohlichen Folgen eskalierende Konflikte in extremem Gelände haben können – und welche beruflichen wie strafrechtlichen Konsequenzen sie nach sich ziehen.
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