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Unternehmen 3 min read 6h ago

VW-Belegschaft kritisiert Vorstands-Kommunikation in Krise

  • Der VW-Betriebsrat wirft dem Vorstand eine desaströse Außenkommunikation vor, die Mitarbeiter und deren Familien verunsichere und verängstigt habe.
  • Konzernchef Oliver Blume bezeichnete VW als überdimensioniert und kündigte eine Kapazitätsreduktion um 500.000 Fahrzeuge jährlich an, ohne jedoch konkrete Stellenabbauziele zu
  • Neun außerordentliche Betriebsversammlungen sollen in den nächsten Tagen Antworten zur Zukunft der Werke und möglichen Stellenstreichungen liefern.
VW-Belegschaft kritisiert Vorstands-Kommunikation in Krise

Inmitten laufender Verhandlungen über ein weiteres Sparpaket wächst bei Volkswagen der interne Unmut: Die Belegschaft des Wolfsburger Automobilkonzerns wirft dem Vorstand schwerwiegende Kommunikationsmängel vor. Laut einem Intranet-Artikel des Betriebsrats hätten die "desaströse Kommunikation nach außen durch den Vorstand" die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie deren Familien "verunsichert und verängstigt".

Interne Umfrage legt Stimmungsbild offen

Grundlage der Kritik ist eine vom Betriebsrat initiierte Online-Befragung, an der VW-Beschäftigte in der vergangenen Woche im Unternehmens-Intranet teilnehmen konnten. Mehr als 100 Fragen und Vorschläge wurden dabei gesammelt; Kommentare anderer Mitarbeiter ließen sich per "Like" unterstützen. Besonders breite Zustimmung fand die Kritik an der Kommunikationsweise des Managements. Darüber hinaus beschäftigen die Belegschaft die Sorge um Arbeitsplätze, die Zukunft von Altersteilzeit und Aufhebungsverträgen sowie die Perspektiven der Werke in Emden, Hannover, Neckarsulm, Osnabrück und Zwickau. Auch Produktstrategie und Kundenvertrauen wurden thematisiert.

Streit um Timing von Konzernchefs Interview

Zusätzlichen Unmut löste nach vorliegenden Informationen der Umgang mit einem Interview von Konzernchef Oliver Blume aus, das vergangenen Freitag im Intranet veröffentlicht wurde. Der Betriebsrat kritisierte, das Interview sei erst am Freitagnachmittag online gestellt worden, als zahlreiche Beschäftigte sich bereits auf dem Weg ins Wochenende befunden hätten. Einige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hätten die dort enthaltenen Informationen zu diesem Zeitpunkt bereits aus externen Nachrichtenquellen erfahren.

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Blume: Konzern "überdimensioniert" und zu langsam

In dem Interview selbst bezeichnete Blume die Lage des Konzerns als "mehr als kritisch". Volkswagen verdiene derzeit zu wenig, um Investitionen in neue Technologien, Produkte und Standorte dauerhaft finanzieren zu können. Der Konzern sei überdimensioniert und dadurch häufig zu langsam und zu kompliziert. Blume zufolge sollen die Kapazitäten der europäischen Konzernwerke um 500.000 Fahrzeuge pro Jahr sinken. Für die Standorte Emden, Hannover, Zwickau und Neckarsulm könne Volkswagen derzeit keine wettbewerbsfähige Auslastung für die 2030er-Jahre darstellen. Konkrete Angaben zur Zukunft einzelner Werke oder zu einem möglichen Stellenabbau machte Blume jedoch nicht. Die vielfach genannte Größenordnung von rund 50.000 weltweiten Stellenstreichungen bezeichnete er ausdrücklich als keine feste Zielmarke.

Neun außerordentliche Betriebsversammlungen geplant

Antworten auf die offenen Fragen erwartet die Belegschaft nun auf neun außerordentlichen Betriebsversammlungen, die in den kommenden Tagen an verschiedenen VW-Standorten stattfinden sollen. Den Auftakt macht am Dienstag das Stammwerk Wolfsburg, wo sich Blume den Fragen der Beschäftigten stellen soll. Am Mittwoch folgen unter anderem Veranstaltungen in Emden und Zwickau. Belegschaft, Betriebsrat und Gewerkschaft fordern angesichts der Sparpläne rasch Klarheit darüber, wie viele Arbeitsplätze konkret betroffen sein könnten und welche Zukunft die einzelnen Werke haben.

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