Grenzmauer bedroht Felskunst in Texas
- Archäologin Carolyn Boyd warnt, dass Trumps Grenzmauerbau rund 4000 Jahre alte indigene Felsmalerien in West-Texas beschädigen oder zerstören könnte.
- Die Gemälde am Pecos River wurden von indigenen Jäger-Sammler-Gruppen geschaffen und gelten als die ältesten bekannten Bücher Nordamerikas.
- Das genaue Ausmaß der Bedrohung durch die geplante Mauertrasse für einzelne Fundorte ist bislang nicht abschließend geklärt.
Jahrtausendealte indigene Felsmalerien im Westen von Texas könnten durch den geplanten Bau von Präsident Donald Trumps Grenzmauer dauerhaft beschädigt oder zerstört werden. Archäologen warnen, dass zu den gefährdeten Stätten einige der ältesten erhaltenen Kunstwerke des nordamerikanischen Kontinents zählen.
Malereien aus der Zeit der Pyramiden
An einer Felshöhle im Tal des Pecos River, wo dieser in den Rio Grande mündet, sind monumentale Wandmalereien erhalten geblieben: drei menschenähnliche Figuren, die bis zu neun Meter hoch an der Felswand emporragen. Ein natürlicher Felsüberhang schützte die Gemälde über Jahrtausende vor der Witterung. Carolyn Boyd, Archäologin an der Texas State University, schätzt ihr Alter auf rund 4.000 Jahre – damit entstanden sie etwa zeitgleich mit den ägyptischen Pyramiden.
Die Malereien wurden von indigenen Jäger-Sammler-Gruppen geschaffen, die einst dieses Tal besiedelten. Der Herstellungsprozess war nach Boyds Einschätzung außerordentlich aufwendig: Die Pigmente – darunter Gips, Hämatit, Limonit und Mangan – mussten wochenlang zermahlen werden. Als Gerüstmaterial dienten die geflochtenen Fasern von Sotol-Stängeln. Die bis zu neun Meter hohen Figuren erforderten präzise Teamarbeit: Helfer am Boden leiteten die Maler an der Wand an.
"Die ältesten Bücher Nordamerikas" unter Druck
Boyd bezeichnet die Felsbilder als "die ältesten bekannten Bücher Nordamerikas". Wie der geplante Grenzmauerbau konkret auf einzelne Fundorte einwirken würde und wie nah die geplante Trasse an den Stätten vorbeiführen soll, ist nach aktuellem Stand nicht abschließend geklärt. Fest steht, dass die Malereien am Pecos River über Jahrtausende durch ihre natürliche Umgebung erhalten blieben – eine Schutzwirkung, die durch Baumaßnahmen in unmittelbarer Nähe gefährdet sein könnte.
Der Konflikt zwischen Grenzsicherungsmaßnahmen und dem Schutz prähistorischer Kulturstätten entlang des Rio Grande bleibt damit ungelöst. Für Boyd und andere Archäologen stehen die Gemälde nicht allein als Kunstwerke: "Die Vorfahren sind noch immer hier", lautet ihre Botschaft – eine Mahnung, dass der Boden, den die Mauer durchqueren würde, für viele Indigene kein leeres Land ist.
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