Pflegekinder in England sterben dreimal häufiger als andere
- Mehr als 100 ehemalige Pflegekinder starben in England innerhalb eines Jahres; ein Regierungsbericht nennt tiefe Isolation als zentralen Faktor.
- Die Sterblichkeitsrate unter Pflegekindern ist drei- bis viermal höher als in der allgemeinen Bevölkerung.
- Der Bericht beschreibt einen abrupten Wegfall sozialer Unterstützung mit Vollendung des 18. Lebensjahres als entscheidende Ursache und wertet das Problem als nationale Tragödie.
Mehr als 100 junge Menschen, die staatliche Pflegemaßnahmen in England verlassen hatten, sind innerhalb eines einzigen Jahres gestorben – und tiefe Isolation war nach Erkenntnissen einer Überprüfung ein maßgeblicher Faktor dabei. Das ist das zentrale Ergebnis eines im Auftrag der Regierung erstellten Berichts über die frühen Tode ehemaliger Pflegekinder.
Dramatischer Einbruch der Unterstützung mit 18 Jahren
Der Bericht beschreibt einen abrupten Rückzug sozialer Dienste genau in dem Moment, in dem die Betroffenen nach Einschätzung der Prüfer "auf dem Höhepunkt ihrer Verletzlichkeit" standen. Mit dem 18. Geburtstag endet in England der institutionelle Schutz für Pflegekinder weitgehend – der Bericht spricht von einem "immensen Einbruch" der Betreuung, der für viele Betroffene katastrophale Folgen gehabt habe.
Todesrate drei- bis viermal höher als in der Allgemeinbevölkerung
Die Sterblichkeitsrate unter ehemaligen Pflegekindern liegt dem Bericht zufolge drei- bis viermal höher als in der allgemeinen Bevölkerung. Das Dokument bezeichnet das Ausmaß des Problems als eine nationale Tragödie. Die genauen Ursachen der einzelnen Tode werden im vorliegenden Quellenmaterial nicht spezifiziert; unklar bleibt auch, welche konkreten Maßnahmen die Regierung auf Grundlage des Berichts einzuleiten gedenkt.
Strukturelles Versagen im Fokus
Dass Betroffene nach dem Verlassen des staatlichen Pflegesystems auf sich allein gestellt werden, ist nach den Befunden des Berichts kein Einzelfall, sondern ein systemimmanentes Muster. Der Bericht bewertet dies als entscheidenden Treiber der erhöhten Sterblichkeit. Eine öffentliche Reaktion der zuständigen Regierungsstellen ist in dem vorliegenden Material nicht dokumentiert. Angesichts von über 100 Toten in einem Jahr unterstreichen die Befunde den dringenden Handlungsbedarf im Bereich der Jugendhilfe – einem Sektor, der in England seit Jahren unter strukturellen Problemen leidet, wie auch die jüngsten Belastungen des öffentlichen Gesundheitssystems in England zeigen.
Einem konkreten Fall zufolge verlor ein ehemaliger Pflegekind mit Typ-1-Diabetes im Alter von 19 Jahren die Betreuung durch seine Diabetespflegekraft, weil er die Altersgrenze überschritten hatte – obwohl er in seiner Jugendzeit in einem Kinderheim noch regelmäßig betreut worden war. Fachleute bezeichnen diesen abrupten Wegfall von Unterstützung mit 18 Jahren als sogenannte "Care Cliff" – eine Versorgungsklippe. Statistisch entfällt nach vorliegenden Zahlen ein Fünftel aller Todesfälle von Pflegekindern genau auf das Alter von 18 Jahren.
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