Forscher entdecken mögliches Jesusgrab
- Italienische Archäologen haben unter der Grabeskirche in Jerusalem eine antike Begräbnislandschaft freigelegt, die mit biblischen Beschreibungen des Grabes Jesu übereinstimmen
- Die vorläufige Studie, veröffentlicht in der Fachzeitschrift Liber Annuus, basiert auf Ausgrabungen, die 2022 im Zuge einer Fußbodenrestaurierung der Grabeskirche begannen.
- Leitende Archäologin Francesca Romana Stasolla betont, ob es sich tatsächlich um das Grab Jesu handelt, sei nicht abschließend geklärt.
Italienische Archäologen haben unter der Grabeskirche in Jerusalem eine antike Stätte freigelegt, die nach ihrer Einschätzung mit den biblischen Beschreibungen des Begräbnisplatzes Jesu Christi übereinstimmt. Das geht aus einer vorläufigen Studie hervor, die in der archäologischen Fachzeitschrift Liber Annuus veröffentlicht wurde. Die Ergebnisse sind bislang nicht abschließend bestätigt.
Ausgrabungen seit 2022
Den Ausgrabungen ging eine geplante Restaurierung des Kirchenfußbodens im Jahr 2022 voraus. Unter der Grabeskirche – einer christlichen Kirche aus dem vierten Jahrhundert, die jährlich rund vier Millionen Besucher anzieht – stießen die Forscher auf einen verlassenen Steinbruch, bewirtschaftete Felder, Felsengräber und einen alten Garten. "Wir haben Hinweise auf eine Begräbnislandschaft gefunden", sagte die leitende Archäologin Francesca Romana Stasolla von der Universität La Sapienza in Rom.
Übereinstimmungen mit biblischen Beschreibungen
Das Johannesevangelium beschreibt einen Garten nahe der Kreuzigungsstätte mit einer neuen, in den Fels gehauenen Grabkammer. Stasolla erklärte gegenüber der Times of Israel, dass die entdeckten Felder einer im Evangelium erwähnten grünen Fläche zwischen Golgatha und dem Grab entsprächen. Nach Johannes 19,20 fand die Kreuzigung nahe Jerusalem statt, nach Hebräer 13,12 außerhalb des Stadttors – genau dort, wo sich zur Zeit Christi der identifizierte Steinbruch befunden haben soll. Die in den Fels gehauenen Gräber entsprächen zudem den Beschreibungen der Evangelisten Matthäus, Markus und Lukas, wonach das Grab Jesu aus Stein gehauen war.
Historische Schichtung des Ortes
Eine besondere Grabkammer war durch ein römisches Bauwerk aus der Regierungszeit Kaiser Hadrians im zweiten Jahrhundert verdeckt worden. Rund zwei Jahrhunderte später ließen von Kaiser Konstantin beauftragte Bauarbeiter das römische Bauwerk abtragen und die Grabanlage freilegen. An dieser Stelle wurde schließlich ein christlicher Schrein errichtet, der Pilger zum Gebet versammelte.
Stasolla betonte den kulturhistorischen Wert der Entdeckung unabhängig von religiösen Deutungen: "Ob man nun an die Historizität des Heiligen Grabes glaubt oder nicht, die Tatsache, dass Generationen von Menschen daran glaubten, ist unbestreitbar." Die Frage, ob es sich tatsächlich um das Grab Jesu Christi handelt, lässt die vorläufige Studie ausdrücklich offen. Die Geschichte dieses Ortes, so Stasolla, sei die Geschichte Jerusalems – und zumindest ab einem bestimmten Zeitpunkt auch die Geschichte der Verehrung Jesu Christi.
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