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Sport 3 min read 1h ago

Urteil: Jenas Ultras droht Umzug

  • Das Verwaltungsgericht Gera gab FC Carl Zeiss Jena recht: Kapazitätsbeschränkungen auf unter 90 Prozent sind bei Risikospielen künftig unzulässig.
  • Die Urteilsbegründung nennt die Verlegung der aktiven Fanszene als milderes Mittel – die Stadt Jena interpretiert dies als Grundlage, die Ultras aus der Südkurve zu verlegen.
  • Sicherheitsdezernent Benjamin Koppe (CDU) kündigte an, jedes Heimspiel einzeln zu bewerten; eine rechtsverbindliche Garantie für Block N in der Südkurve existiert laut beiden
Urteil: Jenas Ultras droht Umzug

Ein Urteil des Verwaltungsgerichts Gera hat beim Thüringer Fußballklub FC Carl Zeiss Jena für erhebliche Unruhe gesorgt. Zwar obsiegte der FCC mit seiner Klage gegen einen Bescheid der Stadt Jena, der die Kapazität der Ultra-Südkurve sowie des Gästeblocks bei Risikospielen begrenzen sollte. Die Begründung des Gerichts aber eröffnet der Stadt eine weitreichende neue Option – und die könnte die aktive Heimfanszene empfindlich treffen.

Was das Gericht entschied

Die Richter gaben dem Klub in der Hauptsache recht: Sicherheitsbehörden dürfen den Zugang künftig nur noch auf 90 Prozent des Fassungsvermögens begrenzen. Eine Halbierung des Gästekontingents, wie sie die Stadt im Mai beim Spiel gegen Rot-Weiß Erfurt angeordnet hatte, ist damit nicht mehr zulässig. Ab sofort dürfen folglich mehr Fans sowohl in den Gästebereich als auch in die Südkurve.

Der Zündstoff in der Urteilsbegründung

Das Gericht führte in seiner Begründung allerdings aus, dass als "milderes Mittel gegenüber einer Kapazitätsbegrenzung die gefahrenreduzierende Verlegung der aktiven Fanszene" in Betracht komme. Die Stadt Jena interpretiert dies so, dass den Ultras bei bestimmten Spielen ihr angestammter Platz im Block N der Südkurve entzogen werden könnte. Im Verfahren selbst hatten sowohl der FCC als auch die Stadt erklärt, dass es weder eine Zusage noch einen Vertrag noch eine sonstige rechtsverbindliche Erklärung gebe, wonach der aktiven Heimfanszene dieser Block vorzuhalten sei.

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Stadt kündigt Einzelfallprüfung an

Sicherheitsdezernent Benjamin Koppe (CDU) kündigte an, die Stadt werde künftig jedes Heimspiel einzeln bewerten, den Verein sowie die zuständigen Behörden anhören und erst dann entscheiden. Seine Haltung formulierte Koppe klar: "Wer die volle Kapazität für Risikospiele fordert, kann sie bekommen, aber eben nicht mit aktiver Fanszene fünfzig Meter neben dem Gästeblock." In einem offiziellen Statement der Stadt heißt es zudem, die veränderte Prüfreihenfolge sehe vor, dass bei unmittelbarer Nachbarschaft verfeindeter aktiver Fanszenen auf derselben Tribüne vorrangig der Abstand vergrößert und nicht die Zuschauerzahl gesenkt werden solle. Im Extremfall müsse "die Verlegung der aktiven Heimfanszene in einen deutlich weiter vom Gästebereich entfernten Stadionbereich angeordnet werden".

Enge rechtliche Grenzen und bauliche Realitäten

So eindeutig ist die neue Lage dennoch nicht. Das Gericht hat der Stadt ein enges Korsett auferlegt: Es müssen zunächst andere, weniger einschneidende Maßnahmen geprüft werden, bevor eine Verlegung angeordnet werden darf. Hinzu kommt, dass die Südkurve baulich bereits jetzt einem Hochsicherheitstrakt gleicht – mit Fangnetzen und Zäunen, die sich so anderswo im Ernst-Abbe-Sportfeld nicht finden. Im April 2025 hatte die räumliche Nähe der Fanblöcke beim Spiel gegen Halle bereits zu Ausschreitungen geführt. Zuletzt hatten die Jenaer Ultras als Protestzeichen das Derby gegen Rot-Weiß Erfurt komplett boykottiert.

Ob die Stadt von der neuen Option tatsächlich Gebrauch machen wird und unter welchen konkreten Bedingungen, bleibt vorerst offen. Die Entscheidung wird jeweils vor den einzelnen Spielen im Zusammenwirken mit Verein und Sicherheitsbehörden fallen.

Themen

FankulturStadionsicherheit

Personen

Benjamin Koppe

Orte

Jena
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