Was Universitäten für Gründer tun müssen
- Y Combinator sucht nach eigener Aussage Gründerinnen und Gründer, die gut darin sind, Dinge zu bauen und dies zur Gewohnheit gemacht haben – nicht nach Abschlüssen in
- Harvard-Absolventinnen und -Absolventen bewerben sich laut YC-Daten mit doppelt so hoher Rate wie jene aus Yale und Princeton, was auf einen reinen Kultureffekt hindeutet.
- Business-Plan-Wettbewerbe werden als aktiv irreführend bezeichnet, weil sie Gründer trainieren, Investoren statt Nutzerinnen und Nutzer zu überzeugen.
Was müssen Universitäten tun, um Studierende optimal auf die Gründung von Start-ups vorzubereiten? Y Combinator (YC), das renommierte amerikanische Start-up-Förderprogramm, hat nach eigener Aussage zwanzig Jahre lang beobachtet, welche Eigenschaften erfolgreiche Gründerinnen und Gründer auszeichnen – und kommt zu einem überraschend schlichten Befund: Wer gut darin ist, Dinge zu bauen, und sich daran gewöhnt hat, es regelmäßig zu tun, bringt die entscheidenden Voraussetzungen mit.
Fachkompetenz schlägt Entrepreneurship-Kurse
Das eigentliche Kernproblem eines Start-ups liegt laut der Analyse in der Produktentwicklung: zu verstehen, was gebaut werden soll, und es dann tatsächlich bauen zu können. Dieses Wissen entstehe durch das Studium von Informatik, Maschinenbau oder Molekularbiologie – nicht durch Management oder Betriebswirtschaft. Die Schlussfolgerung daraus ist direkt: Universitäten müssen keinen neuen Lehrplan für "Entrepreneurship" entwickeln. Sie sollen das tun, was sie bereits am besten können – tiefes Fachwissen vermitteln. Das Wort "Entrepreneurship" erscheint dabei bewusst in Anführungszeichen, da es schlicht die Gründung eines beliebigen Unternehmens beschreibe, während Start-ups eine eigene, fundamental andere Kategorie bildeten.
"Bauen" wird dabei weit gefasst. Nicht jede Gründerin muss Ingenieurswissenschaften studiert haben. Steve Jobs habe Kalligraphie studiert – Wissen, das Apple laut der Analyse entscheidende Vorteile im Desktop-Publishing verschaffte. Mark Zuckerberg war Psychologie-Hauptfächler, kein Informatiker. Ausschlaggebend sei nicht das Hauptfach, sondern die Fähigkeit, kraftvolle Ideen zu verfolgen und umzusetzen.
Harvard-Daten als Indiz für Kultureffekte
YC-Bewerberdaten zeigen, dass Harvard-Absolventinnen und -Absolventen sich mit etwa doppelt so hoher Rate bewerben wie jene aus Yale oder Princeton. Da sich die Studierenden dieser Universitäten kaum unterschieden, deute dies darauf hin, dass allein die an Harvard verbreitete Überzeugung, ein Start-up gründen zu können, den Unterschied mache. Yale und Princeton könnten demnach die Zahl ihrer Gründerinnen und Gründer verdoppeln, indem sie lediglich eine entsprechende Kultur etablierten – ohne strukturelle Änderungen.
Als wirksamste Maßnahme wird genannt, Studierende mit echten Gründerpersönlichkeiten in Kontakt zu bringen. Besonders inspirierend seien dabei nicht Milliardäre, sondern Gründerinnen und Gründer Mitte zwanzig, die drei Jahre in ein Unternehmen investiert und eine Bewertung von einigen hundert Millionen Dollar erreicht haben – nah genug, um sich mit ihnen zu identifizieren.
Eigene Projekte als Schlüssel – und als Quelle der besten Ideen
Vier Argumente sprechen laut der Analyse dafür, Studierende zu eigenen Nebenprojekten zu ermutigen: Erstens fördert das eigenständige Arbeiten tiefes Verständnis wirksamer als Prüfungsangst. Zweitens finden potenzielle Mitgründerinnen und -gründer einander am besten durch gemeinsame Arbeit an Projekten – Apple und Microsoft seien nur die bekanntesten Beispiele einer langen Reihe solcher Partnerschaften. Drittens wirkt der Übergang zur Gründung natürlicher, wenn man es gewohnt ist, ohne Vorgesetzte zu arbeiten. Viertens – und das gilt als überraschendster Punkt – entstammen die besten Start-up-Ideen häufig zufälligen Nebenprojekten, nicht gezielter Ideensuche. Wer bewusst nach Start-up-Ideen suche, werde die wirklich guten übersehen, weil diese zunächst unplausibel wirkten.
Als konkretes Beispiel werden Microsoft und Meta genannt: Beide Unternehmen wurden während der sogenannten "Reading Period" an der Harvard University gestartet – jener Zeitspanne zwischen dem Ende der Lehrveranstaltungen und dem Beginn der Abschlussprüfungen, in der Studierende auf dem Campus sind, aber keine unmittelbaren Abgabefristen haben. Bill Gates sei dabei sogar mit Regeln der Universität in Konflikt geraten, weil er Paul Allen, der kein Student war, in die Computerräume mitbrachte. Zuckerberg erhielt wegen Facemash einen Universitätsverweis auf Bewährung. Diese Fälle seien, so die Einschätzung, eher die Regel als die Ausnahme – neuartige Projekte seien häufig unordentlich und stießen an universitäre Grenzen.
Was Universitäten lassen sollten
Als klar schädlich gilt die Ausrichtung auf Business-Plan-Wettbewerbe. Diese trainierten Gründerinnen und Gründer darauf, Investoren zu überzeugen – dabei seien es die Nutzerinnen und Nutzer, die überzeugt werden müssten, und zwar durch Prototypen, nicht durch Worte. Das Modell, bei dem Studierende Geschäftsideen ausarbeiten und vor simulierten Investoren präsentieren, sei nicht nur nutzlos, sondern aktiv irreführend.
Ebenso wird argumentiert, dass Universitäten das Gründen nicht wirklich lehren können. Ein Start-up zu führen sei unvereinbar mit einem Vollzeitstudium. Wer den Versuch unternehme, YC-ähnliche Strukturen in ein Bachelor-Programm zu pressen, werde daraus unweigerlich eine Farce machen. Business Schools werden in diesem Zusammenhang als potenzieller Störfaktor beschrieben: Sie seien für die Ausbildung von Managern großer Industrieunternehmen konzipiert worden, nicht für Gründerinnen und Gründer.
Die optimale Lösung kostet nichts
Der vielleicht bemerkenswerteste Befund der Analyse lautet, dass das optimale Programm zur Förderung von Gründerinnen und Gründern keine zusätzlichen Kosten verursacht. Es braucht weder neue Gebäude noch neue Stellen. Was es braucht, ist eine Kultur, in der eigene Projekte gefördert werden, Studierende tiefes Fachwissen erwerben und genug freie Zeit haben, um Ideen zu verfolgen. Dass dieses Modell nach außen hin unauffällig wirke, dürfe Universitäten nicht dazu verleiten, stattdessen sichtbare, aber wirkungslose Maßnahmen zu ergreifen.
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