Ozon-Angriffe: Aktie bricht um 30 % ein
- Ukrainische Drohnen trafen binnen drei Tagen sechs Ozon-Standorte in Russland, darunter Logistikzentren in Dagestan, Krasnodar, Adygeja, Stawropol, Samara und Orenburg.
- Ozons Aktie verlor am Montag knapp 30 Prozent; Analysten bezweifeln, dass Hauptaktionär AFK Sistema angesichts hoher Schulden wesentliche Stützungsmittel bereitstellen kann.
- Ein Präsidialdekret Putins soll dem russischen Staat ermöglichen, unzureichend geschützte Unternehmen wie Ozon zu übernehmen; die genauen Anwendungsvoraussetzungen sind noch
Ukrainische Drohnenangriffe auf Logistikzentren des russischen Online-Händlers Ozon haben binnen drei Tagen sechs Standorte des Unternehmens getroffen und die Aktie am Montag um knapp 30 Prozent einbrechen lassen. Damit gerät nach Wildberries, dem größten russischen Online-Händler, nun auch dessen schärfster Konkurrent massiv unter Druck.
Sechs Standorte in drei Tagen
Ein Logistikzentrum in Machatschkala in der Republik Dagestan stand nach einem Drohnenangriff in Flammen und stellte den Betrieb ein; dabei wurden nach Unternehmensangaben "mehrere Personen" verletzt. Ebenfalls Feuer fing ein Lager in Enem am Stadtrand von Krasnodar. Mitarbeiter mussten Standorte in Adygeisk in der Region Adygeja sowie in Newinnomyssk in der Region Stawropol evakuieren. Bereits zuvor hatten Drohnenangriffe Betrieb in einem Logistikzentrum in der Region Samara und einem weiteren in der Region Orenburg zum Erliegen gebracht.
Finanzielle Lage des Hauptaktionärs verschärft die Krise
Finanzanalysten bewerten Ozons Ausgangslage als ungünstiger als die von Wildberries. Während Wildberries auf die Rückendeckung der staatseigenen Bank VTB zählen kann, trägt Ozons Hauptaktionär AFK Sistema nach Einschätzung von Analysten eine hohe Schuldenlast und dürfte kaum in der Lage sein, substanzielle Stützungsmittel bereitzustellen. Noch vor den jüngsten Angriffen hatte Wladimir Putin staatliche Hilfe beim Wiederaufbau der Lager "auf einem neuen technologischen Niveau" zugesagt und die Regierung beauftragt, ein entsprechendes Förderprogramm zu entwickeln.
Putins Dekret: Verstaatlichung als Drohkulisse
Parallel dazu hat Putin per Präsidialdekret Sonderrechte festgeschrieben, die es dem russischen Staat erlauben, Kontrolle über Unternehmen wie Wildberries und Ozon, aber auch über Kraftstofflieferanten und Transportunternehmen zu übernehmen. Begründet wird dies damit, dass diese Betriebe zu unzureichend gegen ukrainische Angriffe geschützt seien. Unklar bleibt bislang, unter welchen genauen Voraussetzungen das Dekret angewendet werden soll und welche Unternehmen konkret betroffen wären.
Die Europäische Union hatte am 24. Juli Sanktionen gegen die Finanzsparten von Ozon und Wildberries verhängt. Die Angriffsserie auf russische E-Commerce-Infrastruktur dürfte damit sowohl die finanzielle Stabilität der betroffenen Unternehmen als auch die Versorgungslage im russischen Inland weiter belasten – während Putins innenpolitischer Rückhalt unter dem Druck von Wirtschaftskrise und Krieg zunehmend schwindet.
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