Horrible Things: Fringe-Satire mit Biss
- Frankie Thompsons Show "Horrible Things" kombiniert im Pleasance Courtyard Edinburgh Clownerie mit Performance-Art und läuft bis 30. August.
- Ein Lip-Sync-Auftritt als zwölfjähriger Jacob Rees-Mogg gilt in der Kritik als ungewöhnlich scharfes Mittel politischer Satire.
- Anschließend ist die Produktion vom 9. bis 21. November im Soho Theatre London zu sehen.
Beim Edinburgh Fringe 2026 präsentiert Frankie Thompson im Pleasance Courtyard eine Show, die sie selbst – per eingespielter Peppa-Pig-Stimme – als "Work-in-Regress" bezeichnet: eine Entledigung von Horrible Things aus den tiefsten Schichten des kollektiven Gedächtnisses. Was daraus entsteht, ist eine dichte Collage aus Clownerie und Performance-Art, die zwischen Lip-Sync-Nummern und offen feindseligen Publikumsinteraktionen pendelt.
Lip-Sync als politisches Instrument
Das stärkste Einzelstück des Abends ist zugleich das früheste: Ein Audioausschnitt aus einem Interview mit dem zwölfjährigen Jacob Rees-Mogg wird von Thompson mit hyperexpressiver Mimik und millisekundengenauem Timing nachgespielt. Die Rezension attestiert dieser Sequenz eine analytische Schärfe, die tausend satirische Worte nicht erreichten – ein Urteil, das als Meinung des Kritikers einzuordnen ist, jedoch die Stoßrichtung der Show unmissverständlich beschreibt: Thompson richtet ihre Horrible Things bevorzugt auf männliche Figuren und wählt dafür ebenso bevorzugt männliche Zuschauer als Zielscheibe ihrer Stunts. Frauen im Publikum, so die Beobachtung, könnten entspannt bleiben.
Format und Auftreten
Thompson tritt als knappe, wachäugige Gastgeberin im Polka-Dot-Kleid auf, die keinerlei Unsinn duldet. Neben Rees-Mogg gehört laut Programmankündigung auch Frank Sinatras Ego im Weltraum zum Repertoire der aufgereihten Schrecken – ein Hinweis auf die bewusst wilde Spannbreite des Materials. Die Show läuft im Pleasance Courtyard bis zum 30. August, ehe sie vom 9. bis 21. November im Soho Theatre in London zu sehen sein wird.
Für Interessierte an ähnlich unkonventionellen Bühnenarbeiten beim selben Festival lohnt sich auch ein Blick auf "Good With Faces", den Psychothriller beim Edinburgh Fringe, der ebenfalls mit den Erwartungen des Publikums spielt.
Einordnung
Thompsons Ansatz – Clownerie als Vehikel politischer und kultureller Kommentierung – hat beim Fringe eine eigene Tradition. Ob Horrible Things über den Festivalbetrieb hinaus Bestand hat, wird die Londoner Station im Herbst zeigen. Bis dahin gilt die Show als ein Beispiel dafür, dass Lip-Sync weit mehr sein kann als bloße Imitation.
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